Energie-Emanzipation von Russland Bauarbeiten für LNG-Terminal Wilhelmshaven können beginnen

Flüssiggas soll Deutschlands Abhängigkeit von russischem Gas verringern. Nun können die Arbeiten für das erste deutsche LNG-Terminal in Wilhelmshaven starten – nach einer vorläufigen Zulassung im Turboverfahren.
Blick auf die Baustelle des künftigen Anlegers in Wilhelmshaven: Baustart am 4. Juli

Blick auf die Baustelle des künftigen Anlegers in Wilhelmshaven: Baustart am 4. Juli

Foto: Sina Schuldt / dpa

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck sprach im Mai davon, etwas schaffen zu wollen, »was eigentlich in Deutschland unmöglich ist«. Der Grünenpolitiker meinte damit die Einrichtung eines LNG-Terminals binnen nur zehn Monaten.

Das staatliche Gewerbeaufsichtsamt Oldenburg hat nun nach Angaben des Energiekonzerns Uniper seinen Teil dazu beigetragen, dass das gelingt. Die Behörde hat den vorzeitigen Baubeginn zugelassen.

Umweltverbände haben jedoch starke Bedenken gegen das Projekt. Die Deutsche Umwelthilfe hatte zuletzt einen sofortigen Baustopp für das Projekt verlangt. Sie fürchten, mit dem Bau drohe die unumkehrbare Zerstörung eines Unterwasserbiotops, außerdem würden Schweinswale gefährdet. Die Organisation hatte angekündigt, juristisch gegen das Terminal vorgehen zu wollen.

»Die schnelle Erteilung der Genehmigung zum vorzeitigen Baubeginn zeigt, welche Bedeutung das LNG-Terminal in Wilhelmshaven für die Versorgungssicherheit des Landes hat«, sagte Uniper-Chef Klaus-Dieter Maubach einer Mitteilung zufolge . »Das ist nicht selbstverständlich – vor allem zeigt es, was möglich ist, wenn die Gesellschaft, Industrie und Politik an einem Strang ziehen.«

Umschlag von bis zu 7,5 Milliarden Kubikmeter Erdgas pro Jahr

Uniper hatte den Antrag für die erforderliche Genehmigung und auf Zulassung des vorzeitigen Beginns nach Bundes-Immissionsschutzgesetz Anfang Juni beim Gewerbeaufsichtsamt Oldenburg eingereicht. Offizieller Baustart sei bereits an diesem Montag, 4. Juli, teilte das Unternehmen mit.

Verflüssigtes Erdgas (LNG) soll helfen, Deutschland aus der Abhängigkeit von russischem Gas zu lösen. Bisher fehlt die für den Import nötige Infrastruktur. Deshalb soll der Bau schwimmender und fester LNG-Terminals beschleunigt werden, indem die Genehmigungsbehörden vorübergehend bestimmte Verfahrensschritte, besonders bei der Umweltverträglichkeitsprüfung, auslassen können.

Über das schwimmende LNG-Terminal Wilhelmshaven sollen bis zu 7,5 Milliarden Kubikmeter Erdgas pro Jahr umgeschlagen werden. Das entspreche etwa 8,5 Prozent des aktuellen deutschen Gasbedarfs pro Jahr. Der erste Rammschlag für das Projekt war am 5. Mai in Anwesenheit von Wirtschaftsminister Habeck erfolgt.

Die Bundesregierung hat bereits vier schwimmende Flüssiggasterminals gemietet, hatte Habeck zuletzt der »Welt am Sonntag« gesagt. »Zwei Schiffe stehen bereits in diesem Jahr zur Verfügung und sollen zum Jahreswechsel 2022/23 in Wilhelmshaven und Brunsbüttel eingesetzt werden.« Sein Ministerium arbeite deshalb im engen Austausch mit den Ländern. »Alle klemmen sich hier dahinter, denn wir müssen letztlich ein Tempo vorlegen, dass es so in Deutschland noch nicht gab«, sagte er der Zeitung.

»Wir sind sehr froh, dass es nun auch sichtbar losgeht«, sagte der niedersächsische Umwelt- und Energieminister Olaf Lies. »Wir brauchen schnellstens Ersatz für russisches Gas und dafür sind wir im Norden bereit, Verantwortung zu übernehmen«, sagte der SPD-Politiker.

apr/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.