Schlimmer als Lehman Brothers Topökonom warnt vor nächster Finanzkrise

Als Chefvolkswirt der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich sagte er einst die Finanzkrise voraus. Jetzt befürchtet William White einen größeren Crash als nach der Pleite von Lehman Brothers vor zehn Jahren.

Trotz seiner inzwischen 75 Jahre und der Vorliebe für großkarierte Oberhemden im Holzfällerlook hat William White, ehedem Chefökonom der BIZ im schweizerischen Basel, nichts von seiner weltweiten Reputation verloren. Der Kanadier gilt nach wie vor als treffsicheres Krisen-Orakel. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL .)

Rund um den Globus hält er Vorträge zur Lage an den Kapitalmärkten und zieht die Zuhörer in seinen Bann. 2008 hatte White die BIZ, eine Art Zentralbank aller Zentralbanken und einflussreiche Denkfabrik, verlassen - nur wenige Monate später, im Herbst desselben Jahres, wurde mit der Lehman-Pleite und der größten Rezession seit den Dreißigerjahren seine Prophezeiung wahr.

Besser sei seitdem kaum etwas geworden, sagte White jetzt dem SPIEGEL. "Die Probleme, die der Lehman-Krise zugrunde lagen, sind nie bewältigt worden. Im Gegenteil, sie haben sich noch verschärft."

Zwar sei Dank der staatlichen Konjunkturprogramme und der Stundung von Krediten die Rezession nach der Lehman-Pleite schnell überwunden worden. Aber die damaligen Notmaßnahmen hätten verhindert, dass Firmen wettbewerbsfähiger - oder vom Markt verschwinden würden. Mehr noch als früher seien die großen Banken heute viel zu groß, um fallen gelassen werden zu können wie einst Lehman. "Das Krisenmanagement hatte unbeabsichtigte Konsequenzen", sagte White. "Die Schulden sind höher als je zuvor, vor allem in den Schwellenländern und China."

Tatsächlich sind vor allem in vielen asiatischen Ländern die Unternehmen enorm verschuldet, besonders in US-Dollar. Das Problem: Die amerikanische Notenbank Federal Reserve erhöht seit geraumer Zeit in kleinen Schritten die Leitzinsen. Das aber führt dazu, dass der Wert des Dollars steigt, und lokale Währungen sinken. Für die Unternehmen in den betroffenen Ländern wird es damit teurer, alte Dollar-Schulden durch neue zu ersetzen. Auch in der Türkei ist das eine der Ursachen der momentanen Krise.

Entscheidend sei, so White weiter, dass die Zentralbanken endlich den Krisenmodus verließen und eine antizyklische Geldpolitik betrieben - also angesichts der weltweit gut laufenden Konjunktur die Zinsen erhöhten. Denn: "Schon die Antwort auf den Börsencrash von 1987 war: Wir drucken Geld. Und so ging es weiter. Nach jeder Krise sind die Zinsen niedriger und die Schulden höher. Wir stoßen also an eine Grenze."

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.