Windige Hypotheken-Deals US-Justiz nimmt Goldman Sachs ins Visier

Goldman Sachs droht wieder Ärger: Die US-Investmentbank soll offenbar zu ihren Aktivitäten vor der großen Finanzkrise Stellung nehmen. Anleger fürchten die Konsequenzen möglicher neuer Ermittlungen - die Aktie brach zwischenzeitlich um mehr als drei Prozent ein.

Goldman-Sachs-Zentrale: Bankaktie brach zwischenzeitlich um mehr als drei Prozent ein
REUTERS

Goldman-Sachs-Zentrale: Bankaktie brach zwischenzeitlich um mehr als drei Prozent ein


New York - Für den Bankriesen ist es ein weiterer Schlag, Goldman Sachs kämpft nach mehreren Skandalen und neuen Vorschriften damit, sich neu aufzustellen. Nach Informationen des Finanzdienstleisters Bloomberg verlangt der Bezirksstaatsanwalt von Manhattan Informationen von der US-Großbank zu ihrer Rolle in der Finanzkrise. Eine entsprechende Vorladung sei eingegangen, hieß es.

Weder Staatsanwaltschaft noch Bank wollten zu dem Bericht Stellung nehmen. Zugleich teilte das Wall-Street-Haus mit, dass Vorladungen ein normaler Teil des Prozesses der Informationsbeschaffung seien. "Wenn wir sie erhalten, kooperieren wir natürlich völlig", hieß es. Bei einer Vorladung werden Informationen erbeten, es geht nicht um eine Anklage. Laut "Wall Street Journal" ist es wahrscheinlich, dass auch das US-Justizministerium eine Vorladung ausspricht.

Eine Vorladung bedeutet nicht, dass es Vorwürfe gegen die Bank gibt - trotzdem verbreitete sich die Nachricht an der Börse wie ein Lauffeuer, die Aktie fiel zwischenzeitlich um mehr als drei Prozent. Denn die Anleger fürchten die Konsequenzen möglicher neuer Ermittlungen.

Es gehe um Vorwürfe des US-Senatsausschusses im Zusammenhang mit dem Kollaps des Immobilienmarktes in den USA, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters. Der Ausschuss hatte Mitte April einen 639-seitigen Bericht vorgelegt und darin die Finanzbranche abgewatscht. Goldman Sachs Chart zeigen wird vorgeworfen, Kunden getäuscht und Märkte manipuliert zu haben. Die Bank soll demnach bestimmte Finanzpapiere entwickelt und verkauft haben, die den Kunden beim Einbruch der Immobilienpreise große Verluste und der Bank gleichzeitig Gewinne eingebracht hätten. Auch die Deutsche Bank spielt in dem Bericht eine Rolle. Sie soll demnach ebenfalls umstrittene Finanzprodukte aufgelegt haben.

Im vergangen Jahr hatte die Börsenaufsicht SEC Goldman vorgeworfen, die eigenen Kunden hereingelegt zu haben. Das Unternehmen musste in einem Vergleich 550 Millionen Dollar zahlen.

Analysten sind sich noch unschlüssig, wie ernst die Vorladungen sind. Dick Bove von Rochdale Securities erklärte, es werde nach einem Buhmann für die Finanzkrise gesucht und man habe sich Goldman ausgeschaut.

jul/Reuters/dapd/dpa

insgesamt 6 Beiträge
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weltbetrachter 02.06.2011
1. komisch ....
Es ist schon komisch, das bislang niemand in Deutschland auf die Idee gekommen ist, auch hier mal nachzuforschen, was mit den unseren Kreditinsituten vor und während der Finanzkrise alles so los war. . Befürchtet man vielleicht in ein Wespen-Nest zu stoßen ?
ralphofffm 02.06.2011
2. nicht komisch sondern absichtlich
Zitat von weltbetrachterEs ist schon komisch, das bislang niemand in Deutschland auf die Idee gekommen ist, auch hier mal nachzuforschen, was mit den unseren Kreditinsituten vor und während der Finanzkrise alles so los war. . Befürchtet man vielleicht in ein Wespen-Nest zu stoßen ?
...die wissen genau wer mit wem zu welchem Zweck. Unsere Politiker stehen auf den Lohnlisten der Grossbanken und der Grossindustrie. Sehr schön zu sehen wie Frau Merkel der Commerzbank den Herzenschwunsch erfüllt hat endlich Nummer Zwei hinter der Deutschen Bank zu werden. Man macht nen Merger of Pleitekandidaten mitten in der Krise, und -oh Wunder- geht tatsächlich fast pleite . Und ... da ja grade Krise ist, kann man sich das wunderbar sehr günstig vom Steuerzahler zwischenfinanzieren lassen. 18 Milliarden für ne Bank die grade mal übern Daumen 3 Milliarden wert war. Würd mich nicht wundern wenn Frau Merkel nach ihrem Kanzlerjob " Berater" bei der Comba wird. WIe man sich bettet so liegt man....
ddkddk 02.06.2011
3. Goldman Sachs vollbringt Werke Gottes
Das ist ein Zitat von Chairman und CEO Lloyd C. Blankfein. Das passt in die heutige Diskussion über einen Verteidigungsminister, der für die Taliban betet und über die Verlautbarung des Bundes Katholischer Ärzte, wonach Homosexuelle mit Homöopathie kuriert werden können. In Süddeutschland ist heute ein katholischer Feiertag, so dass es zumindest im Süden unseres Landes angemessen ist, über religiöse Werke zu spekulieren.
exminer 02.06.2011
4. Es scheint da ein Mißverständnis zu geben
Der erst Gedanke,legt die Bankster an die Kette.Der zweite, das geht aus zwei Gründen nicht,die Bankenmafia ist ein Bestandteil, der "alternativlosen Systemrelevanz" und damit stellt sich die Systemfrage,weiter scheint mir die Politik an der Kette der Zocker zu liegen. Bleibt der Spruch des F.Zappa "Politik ist die Unterhaltungs- abteilung der Wirtschaft",denn sie agiert nicht mehr,sie hat sich selbst amputiert und reagiert nur noch. Wenn hinter den Luftbuchungen keine realen Werte stehen ist diese Art des Kapitalismus ein Hütchenspiel und auf relativ kurze Zeit zum Scheitern verurteilt.
glennwolf 03.06.2011
5. Das kann ja interessant werden
Ich habe gerade das Buch von Michael Lewis "The Big Short" gelesen, d.h. ich habe es zweimal gelesen, um auch jedes Detail der darin geschilderten kriminellen Machenschaften der Finanzexperten von Goldman Sachs, Deutsche Bank & Co. richtig zu verstehen. Eine sehr empfehlenswerte Lektüre. Es ist kaum vorstellbar, was für eine kriminelle Energie in diesen Finazkreisen anzutreffen ist. Und keiner von diesen Ganoven sitzt bisher im Knast. Schlimmer noch, in den Politkerkreisen weltweit ist man bei diesem Thema ja äußerst schmallippig.
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