Insolventer Windkraftbetreiber Gläubiger machen Prokon zur Genossenschaft

Die Entscheidung ist gefallen: Die Gläubiger der insolventen Windkraft-Firma Prokon haben beschlossen, das Unternehmen in eine Genossenschaft zu verwandeln und weiterzuführen. EnBW geht damit leer aus.
Treffen in Hamburg: Die Gläubigerversammlung von Prokon

Treffen in Hamburg: Die Gläubigerversammlung von Prokon

Foto: Daniel Reinhardt/ dpa

Prokon wird als Genossenschaft weitergeführt. Das ergab eine Abstimmung unter den Gläubigern der insolventen Windkraftfirma auf deren Versammlung in den Hamburger Messehallen. Der Energiekonzern EnBW, der ein Kaufangebot im Volumen von 550 Millionen Euro für Prokon vorgelegt hatte, geht damit leer aus. Ebenso ist die Zerschlagung des Unternehmens vorerst vom Tisch. Die Entscheidung der Gläubiger muss am Freitag noch formal vom Insolvenzgericht, dem Amtsgericht Itzehoe, bestätigt werden.

Mit der jetzt beschlossenen Umwandlung Prokons in eine Genossenschaft werden die Gläubiger nach Kalkulation des Insolvenzverwalters Dietmar Penzlin unterm Strich 57,8 Prozent ihrer Forderungen wiedersehen.

Die in Aussicht gestellte Insolvenzquote setzt sich so zusammen: Penzlins Insolvenzplan zufolge, über den auf der Versammlung abgestimmt wurde, können die meisten Genussrechtsinhaber nun etwas mehr als 23 Prozent ihrer Genussrechtsforderungen in Mitgliedsrechte an der künftigen Prokon eG wandeln. Diese Genossenschaft soll auch in Zukunft das Windkraftgeschäft betreiben.

Anleger, die sich nicht an der Genossenschaft beteiligen möchten, erhalten stattdessen einen Anspruch auf Auszahlung künftiger Verwertungserlöse in Höhe von ebenfalls 24,4 Prozent. Zu verwerten seien insbesondere Darlehensforderungen Prokons gegenüber einem Palettenwerk in Torgau sowie Wäldern in Rumänien, schrieb der Insolvenzverwalter in der Einladung zur Gläubigerversammlung.

Entscheidender Schritt getan

Darüber hinaus erhalten die meisten Genussrechtsinhaber das Recht, Prokon-Anleihen mit einem Zinssatz von 3,5 Prozent zu erwerben. Diese Papiere sollen künftig an der Börse handelbar sein. Das Erwerbsrecht entspreche weiteren 34,5 Prozent der Genussrechtsforderungen, so der Insolvenzverwalter.

Gläubiger, die dieses Erwerbsrecht nicht erhalten, sollen laut Insolvenzplan stattdessen eine Barauszahlung in Höhe von ebenfalls 34,5 Prozent bekommen.

Damit ist ein entscheidender Schritt im gigantischen Prokon-Insolvenzverfahren getan. Das Unternehmen war Anfang 2014 nach hohen Verlusten in die Pleite gerutscht, weil immer mehr Anleger ihr investiertes Geld zurückhaben wollten. Insgesamt 1,4 Milliarden Euro hatte der Prokon-Gründer und langjährige Chef Carsten Rodbertus bei Privatanlegern eingesammelt. Investiert wurde es in Genussrechte mit dem Versprechen auf Renditen von 6 Prozent und mehr.

Unter den insgesamt 100.000 Gläubigern in diesem Verfahren befinden sich allein 75.000 Anleger, die solche Genussrechte gezeichnet haben.

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