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Windows-Konzern Microsoft-Chef Ballmer kündigt Rückzug an

Er gilt als großer Macher bei Microsoft, nun will Steve Ballmer die Konzernspitze verlassen. Nach Angabe des Windows-Herstellers wird er seinen Job innerhalb der kommenden zwölf Monate abgeben. Zuletzt musste Ballmer enttäuschende Zahlen vorstellen.

Redmond - Microsoft-Chef Steve Ballmer geht. Das kündigte der Windows-Konzern am Freitag an. Ballmer werde seinen Posten innerhalb der kommenden zwölf Monate aufgeben, heißt es. Der temperamentvolle Manager arbeitet seit den Anfangstagen von Microsoft in dem Unternehmen und übernahm im Jahr 2000 die Führung von Konzerngründer Bill Gates. Einen Nachfolger hat das Unternehmen noch nicht benannt.

"Es gibt nie eine perfekte Zeit für einen solchen Übergang, aber jetzt ist die richtige Zeit", erklärte Ballmer in der Mitteilung. Microsoft brauche einen Chef, der für längere Zeit den Wandel zu einem Unternehmen für Geräte und Dienstleistungen begleiten werde.

Die Börse reagierte euphorisch auf die Nachricht: Die Microsoft-Aktie   notierte am Nachmittag fast zehn Prozent über ihrem Vortageskurs. Mit den im Juli vorgestellten Zahlen hatte der Software-Konzern die Gewinnerwartungen der Anleger unterboten. Der Trend weg von PCs und Laptops hin zu mobilen Geräten macht Microsoft zu schaffen.

Nachfolger soll Konzernumbau fortsetzen

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Ballmer galt lange als Skeptiker dieser Entwicklung, zuletzt versuchte der Konzern mit einem eigenen Tablet-PC und dem Smartphone-Betriebssystem Windows Phone Marktanteile zurückzugewinnen. Dazu wurde erst im Juli die Führung von Microsoft radikal umgebaut.

Mit der Strategie "One Microsoft" sollen unterschiedliche Produkte wie das PC-Betriebssystem Windows, die Spielekonsole Xbox und der Tablet-Computer Surface unter einem Dach weiterentwickelt werden. Davon erhofft sich der Konzern mehr Innovation sowie Kostenersparnisse. "Bei meinem ursprünglichen Zeitplan wäre meine Pensionierung mitten in den Umbau unseres Unternehmens gefallen", erklärte Ballmer. "Wir brauchen einen Chef, der für diese neue Ausrichtung länger da sein wird."

Mit der Suche nach einem Nachfolger soll sich ein spezielles Gremium befassen, dem neben Ballmer selbst auch Firmengründer Gates angehören wird. Microsoft hat nach eigenen Angaben die Personalberatung Heidrick & Struggles International engagiert, um nach geeigneten Kandidaten zu fahnden. Bis ein Nachfolger gefunden ist, wird Ballmer Microsoft weiterhin führen.

ade/dpa/AP/AFP
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