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09. September 2013, 19:50 Uhr

Verschuldeter Windpark-Entwickler

Windreich meldet Insolvenz an

"Ich habe alles gegeben": So kommentiert Willi Balz seinen Insolvenzantrag und den Abgang als Chef von Windreich. Justiz und Anleger befürchten schon länger, dass der Windparkfirma die Pleite droht - was Balz noch vor kurzem bestritt.

Wolfschlugen - Angesichts von Schulden in dreistelliger Millionenhöhe hat der Windparkbetreiber Windreich Insolvenz angemeldet und damit die seit langem gehegten Befürchtungen von Anlegern bestätigt. Er habe das Verfahren in Eigenregie nach dem neuen Insolvenzrecht beantragt, sagte Unternehmenschef Willi Balz im baden-württembergischen Wolfschlugen. Die 1999 gegründete Firma entwickelt, baut, finanziert und vertreibt Windkraftanlagen an Land und auf offener See. Vor allem vor der deutschen Ostsee- und Nordseeküste hat sie sich Flächen für Windparks gesichert, die ersten Projekte laufen schon.

Balz habe sich mit sofortiger Wirkung aus der Geschäftsführung zurückgezogen, teilte Windreich auf seiner Internetseite mit. Die Leitung habe der bisherige Berater Werner Heer übernommen. Das Amtsgericht Esslingen habe Balz' Antrag bereits genehmigt, sagte ein Sprecher des Insolvenzverwalter-Kanzlei Schultze und Braun. Der Anwalt Holger Blümle solle nun die Sanierung von Windreich begleiten.

Nach Informationen der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" ("FAZ") hatte ein Windreich-Gläubiger mit Millionenforderungen bereits vor Tagen einen Insolvenzantrag gestellt. Das zuständige Amtsgericht habe das Verfahren aber zunächst nicht eröffnet, weil Balz offensichtlich glaubhaft machen konnte, dass die Zahlungsschwierigkeiten nur vorübergehender Natur seien.

"Ich trage es mit Anstand, ich habe alles gegeben", wurde Balz von "Handelsblatt Online" zitiert. Sanierer Heer sagte: "In den Gesprächen mit unseren Investoren wurde deutlich, dass ein Managementwechsel Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Fortsetzung unserer Gespräche ist."

Die Lage bei Windreich beschäftigt bereits seit einiger Zeit Behörden und Gerichte. Bis Ende 2012 hatte das Unternehmen gut 300 Millionen Euro Schulden angehäuft und war wegen Abschreibungen auf eine Beteiligung in die roten Zahlen gerutscht. Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft ermittelt seit März gegen frühere und amtierende Vorstände - unter anderem wegen des Verdachts auf Insolvenzverschleppung, den Balz ausdrücklich zurückwies.

Balz hatte auf einen Befreiungsschlag durch den Verkauf eines Teils des Offshore-Windparks MEG I vor der Insel Borkum für 120 Millionen Euro gehofft. Noch Ende August schickte er einen Brief an die Anleihegläubiger mit der Überschrift: "Das Blatt wendet sich zum Guten - technisch, politisch und wirtschaftlich."

Mit den Mitteln aus dem Verkauf wollte Balz einen 70-Millionen-Euro-Kredit an die Schweizer Privatbank J. Safra Sarasin zurückzahlen. Zeichner der Windreich-Anleihen haben inzwischen vor dem Landgericht Regensburg eine Klage gegen Sarasin eingereicht, weil sie sich schlecht über die Geschäftsaussichten bei Windreich informiert fühlten.

Beim neuen Insolvenzverfahren in Eigenregie ist das betroffene Unternehmen vor dem Zugriff der Gläubiger geschützt, ohne die Geschäfte einem Insolvenzverwalter zu überlassen. Das Verfahren kann drei Monate lang aufrechterhalten werden. Wird die Sanierung nicht erreicht, droht endgültig die Insolvenz. Die Projektgesellschaft für MEG I solle aus dem Verfahren herausgehalten werden, sagte der neue Windreich-Chef Heer.

dab/Reuters /dpa

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