Trotz neuer Anlagen Ausbau der Windkraft reicht nicht für Klimaziele

Im ersten Halbjahr wurden in Deutschland 240 neue Windräder an Land errichtet – ein Plus von 62 Prozent. Doch die Branche sagt: Um die Klimaziele zu erreichen, muss mehr Tempo gemacht werden.
Windräder in Brandenburg

Windräder in Brandenburg

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Patrick Pleul / dpa

Die Zahlen klingen auf den ersten Blick gut: In Deutschland sind in den ersten sechs Monaten dieses Jahres deutlich mehr neue Windräder an Land hinzugekommen. 240 neue Windenergieanlagen mit einer Leistung von zusammen 971 Megawatt wurden installiert – im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ist dies eine Steigerung von 62 Prozent. Das berichten die Nachrichtenagentur dpa und die ARD unter Berufung auf Branchenverbände.

Doch das Niveau reicht aus Sicht der Branche nicht aus, um Klimaziele erreichen zu können. So wurden im ersten Halbjahr auch 135 Windenergieanlagen mit einer Leistung von 140 Megawatt stillgelegt. Insofern lag der sogenannte Netto-Zubau bei 831 Megawatt.

Für das gesamte Jahr 2021 rechnen die Verbände laut ARD mit einem Zubau von 2,2 bis 2,4 Gigawatt an Leistung. Zum Vergleich: In den Spitzenjahren 2014 bis 2017 lag dieser zwischen 3,5 und knapp 4,9 Gigawatt pro Jahr.

»Wir sind natürlich damit zufrieden, dass wir nach der tiefsten Krise wieder einen Anstieg erleben«, sagte der Präsident des Bundesverbands Windenergie, Hermann Albers, der ARD. Das Ausbautempo aber müsse deutlich beschleunigt werden. Es sei unstrittig, dass mehr ökologischer Strom, mehr erneuerbarer Strom aus Windkraft gebraucht werde.

Auch aus Sicht vieler Parteien ist ein deutlich beschleunigter Ausbau der erneuerbaren Energien nötig, damit verschärfte Klimaziele erreicht werden können. Als Hemmnisse gelten lange Planungs- und Genehmigungsverfahren, zu wenig ausgewiesene Flächen und viele Klagen.

Ausbautempo stetig verringert

2020 waren in Deutschland 420 Windenergieanlagen an Land mit einer Leistung von insgesamt 1431 Megawatt hinzugekommen. Damit war 2020 das zweitschwächste Ausbaujahr seit Einführung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes im Jahr 2000 – nach 2019, als ein Tiefststand erreicht worden war.

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Auch der Ausbau von Offshore-Anlagen, also Windenergie auf See, stockt. Die Kapazitäten in der Nordsee, also die Leistung der dort installierten Windräder, stagnieren bei 6,68 Gigawatt.

Erstmals seit vielen Jahren wird es 2021 keine neuen Windenergieanlagen auf See geben. Ab Mitte und vor allem gegen Ende dieses Jahrzehnts erwartet die Branche dann einen »verstärkten bis sehr starken Zubau«. Bis 2030 strebt die Bundesregierung einen Ausbau auf 20 und bis 2040 auf 40 Gigawatt an.

Der Netzbetreiber Tennet mahnte, ein Ausbau der Windenergie auf See sei wichtig für die Versorgungssicherheit und eine erfolgreiche Energiewende. »Gerade in windschwächeren Jahren verschiebt sich das Verhältnis der erzeugten Windenergie Richtung Offshore«, sagte Tennet-Geschäftsführer Tim Meyerjürgens. »Dort generieren wir im Durchschnitt rund doppelt so viele Volllaststunden wie onshore und können somit Flauten an Land teilweise kompensieren.«

Die Windkraftwerke in der Nordsee haben im ersten Halbjahr wetterbedingt deutlich weniger Strom geliefert als im Vorjahreszeitraum. Weil aber Flautephasen den Windenergieertrag an Land noch stärker drückten, stieg der Anteil des Nordseestroms an der gesamten deutschen Windstromerzeugung im Zeitraum von Januar bis Juni auf 16,6 (Vorjahr: 15,6) Prozent, wie der Netzbetreiber Tennet mitteilte.

Der gesamte Offshore-Windertrag Deutschlands in Nord- und Ostsee lag im ersten Halbjahr 2021 bei etwa 11,5 Terawattstunden.

mmq/dpa
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