Prozess nach Insolvenz Windreich-Gründer Balz zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt

Insolvenzverschleppung, Betrug, Untreue und Insiderhandel: Willi Balz ist nach der Pleite des von ihm gegründeten Windpark-Entwicklers Windreich vom Stuttgarter Landgericht schuldig gesprochen worden.
Willi Balz im Stuttgarter Landgericht

Willi Balz im Stuttgarter Landgericht

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Marijan Murat / dpa

Im Strafprozess um die Windreich-Insolvenz ist Unternehmensgründer Willi Balz zu vier Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt worden. Das Landgericht Stuttgart sah es als erwiesen an, dass Balz sich unter anderem der vorsätzlichen Insolvenzverschleppung, des Betrugs, der Untreue, der veruntreuenden Unterschlagung und des Insiderhandels schuldig gemacht hat. Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig.

Das im Kreis Esslingen beheimatete Unternehmen Windreich hatte sich auf Windkraftanlagen an Land und auf hoher See spezialisiert und im September 2013 Insolvenz angemeldet. Nur Monate zuvor hatte Windreich noch die Fernsehmoderatorin Sabine Christiansen öffentlichkeitswirksam in den Aufsichtsrat berufen. Kurze Zeit später leitete die Staatsanwaltschaft jedoch Ermittlungen ein und durchsuchte die Firma.

Ursprünglich gab es acht Angeklagte

Im Prozess hatte der 60-jährige Windpark-Entwickler Betrugsvorwürfe zurückgewiesen. Er sei jederzeit liquide gewesen, die Razzia habe schließlich zur Insolvenz geführt. »Ich habe alles gegeben«, hatte Balz 2013 zur Einreichung des Insolvenzantrags und seinem Abgang von der Firmenspitze gesagt.

Das Gericht folgte dieser Argumentation nicht und stellte fest, dass die Unternehmensgruppe schon sehr viel früher zahlungsunfähig gewesen sei. Andere Fehltritte von Balz seien noch hinzugekommen, sagte der Vorsitzende Richter Alexander Stuckert. Bei Anlegern hatte Windreich einen dreistelligen Millionenbetrag eingesammelt, die Anleihen stürzten jedoch ab und verloren massiv an Wert.

Ursprünglich waren acht Personen in dem Prozess angeklagt, darunter auch der ehemalige baden-württembergische Wirtschaftsminister Walter Döring (FDP), der bei dem Unternehmen im Vorstand saß. Gegen alle außer Balz wurde das im August 2019 begonnene Verfahren im Laufe der Zeit eingestellt. Balz galt einst als Pionier für Windkraftanlagen zur Stromerzeugung auf dem Meer.

Beim Strafmaß blieb das Gericht nur geringfügig unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die für Balz fünf Jahre und drei Monate Haft beantragt hatte. Die Verteidigung hatte in ihrem Plädoyer hingegen einen Freispruch gefordert.

apr/dpa
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