Gaspipeline Wintershall Dea erwartet Entschädigung bei einem Aus für Nord Stream 2

Die Bundesregierung hat jüngst das Genehmigungsverfahren für die umstrittene Erdgaspipeline Nord Stream 2 gestoppt. Wintershall Dea rechnet jetzt mit einer Entschädigung.
Pipeline in Russland

Pipeline in Russland

Foto: Maxim Shemetov/ REUTERS

Die BASF-Mehrheitsbeteiligung Wintershall Dea geht bei einem Aus für die Gaspipeline Nord Stream 2 von einer Entschädigung für die Projektgesellschaft aus. Nach Einschätzung von Wintershall Dea sei zurzeit kein belastbares Szenario denkbar, in dem es zu politischer Intervention ohne Entschädigung käme, teilte das Unternehmen mit. Auch wenn das bisher noch nicht abgeschlossene Zertifizierungsverfahren die Inbetriebnahme verzögere, rechnet der Öl- und Gaskonzern damit, dass die vertraglichen Verpflichtungen gegenüber den Finanzinvestoren erfüllt werden.

Wintershall Dea ist an der Finanzierung der umstrittenen Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 beteiligt und hat dem Projektunternehmen ein Darlehen von 730 Millionen Euro gegeben. Angesichts des Angriffs Russlands auf die Ukraine ist die Zukunft der Gaspipeline zwischen Russland und Deutschland allerdings ungewiss.

Die Bundesregierung hat das Genehmigungsverfahren für den Betrieb der russisch-deutschen Erdgasleitung ausgesetzt. Damit reagierte sie auf die russische Anerkennung der selbst ernannten Volksrepubliken Donezk und Luhansk in der Ostukraine. Die Pipeline war nach Angaben des russischen Gaskonzerns Gazprom im September 2021 fertiggestellt worden und soll Gas von Russland nach Deutschland bringen.

Konzern sagt Jahrespressegespräch ab

Der Konzern zeigte sich bestürzt über den Militäreinsatz Russlands in der Ukraine. »Wir sehen diese militärische Eskalation des Konflikts mit großer Sorge und Bestürzung«, sagte Unternehmenschef Mario Mehren laut einem Statement. »Es sterben Menschen. Wir sind schockiert über das, was geschieht!« Aufgrund der Ereignisse hat Wintershall Dea das für diesen Donnerstag geplante Pressegespräch zu den Jahreszahlen 2021 abgesagt.

Die jüngste militärische Eskalation erschüttere auch die über Jahrzehnte aufgebaute wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Russland und Europa, sagte Mehren weiter. Die Eskalation werde weitreichende Folgen haben. In welchem Ausmaß sei noch nicht absehbar.

Die BASF-Mehrheitsbeteiligung Wintershall Dea ist seit mehr als 30 Jahren in Russland tätig. Viele Mitarbeiter des Unternehmens kommen aus Russland oder der Ukraine, wie Mehren sagte. »Gerade für sie, aber auch für uns alle, ist diese Eskalation auf Geheiß der russischen Regierung ein harter Schlag«, fügte er hinzu.

hej/dpa