Dritter Einbruch in acht Tagen Wirecard-Aktie fällt um bis zu 19 Prozent

Ein weiterer kritischer Zeitungsbericht hat die Aktie des Zahlungsabwicklers Wirecard erneut abstürzen lassen. Der Konzern bestreitet die Vorwürfe - die Berichte haben ihn inzwischen acht Milliarden Euro an Börsenwert gekostet.

Elektronische Bezahlung mit Wirecard (Symbolbild)
REUTERS

Elektronische Bezahlung mit Wirecard (Symbolbild)


Die Aktie des Zahlungsabwicklers Wirecard ist zum dritten Mal innerhalb von acht Tagen eingebrochen: Der Wert der seit Herbst im Leitindex Dax notierten Aktien von Wirecard sank um bis zu 19 Prozent auf 104,8 Euro.

Grund war der dritte kritische Bericht der "Financial Times", die seit etwa einer Woche Vorwürfe krimineller Kontomanipulationen und Fälschung von Dokumenten gegen einen Wirecard-Mitarbeiter in Singapur veröffentlicht. Seit Beginn der Berichterstattung hat das Unternehmen rund acht Milliarden Euro an Börsenwert verloren.

Wirecard wies die Anschuldigungen zurück. "Nichts an dem heute erschienenen Bericht ist wahr", hieß es in der Stellungnahme.

Bereits am Montag hatte Wirecard-Chef Markus Braun erklärt, dass eine Untersuchung einer beauftragten Anwaltskanzlei in Singapur bisher keinerlei Belege für ein strafrechtlich relevantes Fehlverhalten gefunden habe. Die Prüfung stehe kurz vor dem Abschluss. Braun vermutet, dass eine Fehde unter Mitarbeitern hinter den Veröffentlichungen steckt.

"Financial Times": Deutsche Manager involviert

Die "Financial Times" schreibt in ihrem neuesten Bericht, der für Asien zuständige Finanzchef von Wirecard habe sechs Kollegen in Singapur gezeigt, wie die eigenen Bücher manipuliert werden könnten. Mit verschobenen Geldern sollen so Scheinumsätze erzeugt worden sein. Damit hätten die Behörden in Hongkong davon überzeugt werden sollen, Wirecard eine Lizenz zu geben.

Aus der Zeitung vorliegenden Dokumenten gehe hervor, dass zwei Führungskräfte in Deutschland von der Praxis "zumindest etwas Kenntnis" hatten. Ob es sich bei den fraglichen Zahlungsvorgängen im jüngsten Bericht der Zeitung um verdächtige Handlungen oder überhaupt ausgeführte Zahlungen handelte, geht aus dem Bericht nicht hervor.

Münchner Staatsanwaltschaft leitet kein Ermittlungsverfahren ein

Unterdessen sieht die Münchner Staatsanwaltschaft der Nachrichtenagentur dpa zufolge von Ermittlungen ab: "Wir haben keinen ausreichenden Anfangsverdacht, um ein Ermittlungsverfahren gegen Verantwortliche der Wirecard einzuleiten", sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Hans Kornprobst.

Der Wirecard-Vorstand hatte sich selbst an die Staatsanwaltschaft München I gewandt, weil er in den Kursstürzen eine Marktmanipulation befürchtete. Auch die Finanzaufsicht Bafin prüft, ob es sich um eine gezielte Attacke von Spekulanten handelte.

kko/dpa/Reuters



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