Vorwürfe entkräftet Wirecard-Aktie steigt um fast 30 Prozent

Eine Kanzlei sieht keine strafrechtlichen Verstöße bei Wirecard. Die Aktie des Finanzdienstleisters geht deshalb durch die Decke. Manager, die sich gerade erst mit Aktien eingedeckt hatten, dürften ein gutes Geschäft gemacht haben.

Wirecard-Logo in Köln
REUTERS

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Mit großer Erleichterung haben Aktionäre von Wirecard nach den Betrugsvorwürfen gegen das Unternehmen auf die Ergebnisse einer externen Untersuchung reagiert. Die Papiere stiegen am Dienstag um rund 30 Prozent auf rund 125 Euro. Die Prüfungen der Kanzlei Rajah & Tann LL.P. Singapore hätten keine wesentlichen Auswirkungen auf die Konzernabschlüsse festgestellt, teilte Wirecard mit.

Ende Januar waren die Wirecard-Aktien nach einem Bericht der "Financial Times" über angebliche bilanzielle Unregelmäßigkeiten eingebrochen. Von 167 Euro zuvor ging es bis in den Februar um fast die Hälfte auf 86 Euro nach unten, bevor der Kurs sich fing.

In der britischen Zeitung waren über Wochen hinweg Berichte erschienen, in denen einem Wirecard-Mitarbeiter Kontomanipulationen und Dokumentfälschungen vorgeworfen wurden. Dabei ging es um angebliche Scheinumsätze mit verschobenen Geldern - das sogenannte Round-Tripping.

Laut dem Bericht von Rajah & Tann LL.P. war zwar im Geschäftsjahr 2017 ein Umsatz von 2,5 Millionen Euro fälschlicherweise verbucht worden. Dies sei jedoch rückwirkend für 2017 korrigiert und durch andere positive Korrekturen ausgeglichen worden.

Für eine strafrechtliche Verantwortung in der deutschen Konzernzentrale gebe es keine Hinweise, hieß es weiter. Allerdings könnten sich Angestellte in Singapur möglicherweise strafbar gemacht haben.

Der komplette Abschlussbericht liegt derzeit nach SPIEGEL-Informationen der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft EY vor, die seit zehn Jahren Wirecards Bilanzen testiert. Der Wirecard-Vorstand selbst soll den vollständigen Report erst Anfang April erhalten.

Wirecard-Manager sahnen ab

Schon jetzt ist klar: Wegen des heutigen Aktiensprungs dürften sich die Wirecard-Manager die Hände reiben. Wirecards Finanzchef Alexander von Knoop und Jan Marsalek, Chief Operating Officer (COO), hatten erst im Februar Aktien des eigenen Unternehmens im großen Stil nachgekauft. Marsalek kaufte 1.000 Aktien zu je 110 Euro, was insgesamt einer Investitionssumme von 111.000 Euro entspricht. Von Knopp orderte Aktien zu unterschiedlichen Kursen (zwischen 111,55 und 111,80 Euro) für insgesamt 111.665,85 Euro. Durch den heutigen Kurssprung von 100 auf 125 Euro dürften die beiden einen Gewinn von mehr als 10.000 Euro eingestrichen haben.

Und auch die Deutsche Bank profitiert von diesem extremen Kurssprung: Banker des Hauses hatten laut Finanzkreisen Ende 2017 Wirecard-Chef Markus Braun 150 Millionen Euro geliehen und als Sicherheit Wirecard-Aktien entgegengenommen. Diese notierten damals bei rund 50 Euro und sind an diesem Dienstag mehr als das Doppelte wert.

ssu/hej/dpa/Reuters



insgesamt 24 Beiträge
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Leser161 26.03.2019
1. Tjo
Da werden ein paar Leute richtig nett Geld gemacht. Ein Grund für mich als Privatmann nicht auf einzelne Aktien zu gehen. Ich kann halt solche Vorwürfe nicht einschätzen und hätte wohl wie so viele andre kalte Füsse bekommen und wäre zu einem niedrigen Kurs rausgegangen. Während diejenigen die das einschätzen können meine Aktion niedrig gekauft hätten und sich jetzt über Kurssprünge freuen. Eine Kritik hier auch an SPON, SPON berichtet immer dann über Aktienentwicklung wenn wenn es sinnvoll für die Profis ist, wenn die kleinaktionäre das machen was SPON impliziert (Bitcoin, wie mache ich jetzt noch Geld, in Bitcoin hätte man gehen müssen bevor es bekannt wurde)
Andrea Nxxx. 26.03.2019
2. Schadenersatzpflichtig?
Das wäre ja extrem fahrlässig bzw. vorsätzlich, wenn die FT hier ohne belastbare Beweise derart zulasten Wirecard berichtet hätte. Das erfüllt dann schon (fast) den Tatbestand der Kursmanipulation, insbesondere wenn der Vorstand der Wirecard nachhaltig dementiert und trotzdem weiterberichtet wird... - man darf gespannt sein, ob die FT hierzu Stellung bezieht und ob jetzt jemand eine Klage gegen die FT anstrengt.
DLH711 26.03.2019
3. So ist das Leben...
Auch ich habe eine harte Woche hinter mir aber, da ich vor über zehn Jahren bei 8,30€ eingestiegen bin hatte ich noch etwas Zeit. War aber kurz davor zu verkaufen. Aufmerksam geworden vor 12 Jahren durch FOCUS MONEY. Man muss sich schon intensiver damit befassen, SPON reicht nicht. Ob die Aktie wieder 199€ erreichen wird? Daumen drücken!
claus7447 26.03.2019
4.
Zitat von DLH711Auch ich habe eine harte Woche hinter mir aber, da ich vor über zehn Jahren bei 8,30€ eingestiegen bin hatte ich noch etwas Zeit. War aber kurz davor zu verkaufen. Aufmerksam geworden vor 12 Jahren durch FOCUS MONEY. Man muss sich schon intensiver damit befassen, SPON reicht nicht. Ob die Aktie wieder 199€ erreichen wird? Daumen drücken!
Focus Money halte ich nur für bedingt aussagefähig. Da muss man breit nachschauen. Ein medium reicht sicher nicht - und dann ist es die Frage von Risiko.
gigi76 26.03.2019
5. 10.000 Euro
ist für einen C-Level-Manager eines Dax Konzerns nicht sonderlich viel, eher Peanuts. Vor allem wenn man mal eben schnell 100.000 Euro Liquidität hat für solche Transaktionen. Versteuert müsste dieser Gewinn auch noch (-25%). Es ist jedenfalls keine Meldung wert, zumal die Käufe vermutlich auf Druck von Herrn Braun erfolgten um nach Außen Loyalität und Vertrauen in das Unternehmen zu zeigen, als kursstabilisierende Maßnahme. Generell liegt bei solchen Transaktionen auch immer die Gefahr von Insiderhandel-Untersuchungen. Letztendlich werden die Manager die Aktien länger halten. Wirecard bleibt eine Hochrisikoaktie, die im Dax nichts zu suchen hat - meine Meinung.
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