Zahlungsabwickler Wirecard-Aktie stürzt nach neuen Betrugsvorwürfen ab

Nach einem Bericht der "Financial Times" stürzt die Aktie von Wirecard um bis zu 23 Prozent ab. Das Unternehmen soll mit aufgeblähten Geschäftszahlen getäuscht haben.
Wirecard-Stand bei der Gamescom-Messe

Wirecard-Stand bei der Gamescom-Messe

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Wolfgang Rattay/Reuters

Der Bezahldienstleister Wirecard kämpft infolge eines Berichts der "Financial Times" erneut mit schweren Betrugsvorwürfen. Die britische Wirtschaftszeitung hatte von internen Dokumenten und Schriftwechseln berichtet, die nahelegten, dass der Konzern Umsätze und Gewinne bei Tochterfirmen zu hoch ausgewiesen habe.

Die im Dax notierten Aktien brachen infolge des Berichts zeitweise um 23 Prozent auf ein Sechs-Monats-Tief von 107,80 Euro ein. Mittlerweile konnten sich die Kurse wieder leicht erholen.

Die "Financial Times" legt in ihrer Berichterstattung einen Schwerpunkt auf das in Dubai ansässige Unternehmen Al Alam Solutions. Demnach sei im Jahr 2016 die Hälfte des Gewinns von Wirecard über diese Firma eingegangen. In den internen Dokumenten ist von 34 Hauptkunden die Rede, für die zwischen 2016 und 2017 im Auftrag von Wirecard regelmäßig Zahlungen in Höhe von 350 Millionen Euro abgewickelt wurden.

15 der 34 Großkunden gaben gegenüber dem Wirtschaftsblatt jedoch an, nie von Al Alam Solutions gehört zu haben. Die "Financial Times" vermutet deshalb, dass viele der Zahlungsabwicklungen gar nicht stattgefunden hätten. Zudem würden die Dokumente den Anschein wecken, dass Wirecard versucht habe, den Wirtschaftsprüfer EY zu täuschen. Der Konzern wies die Anschuldigungen in einer Mitteilung "kategorisch zurück" und sprach von einem "verleumderischen Artikel".

Die "Financial Times" hat das Unternehmen aus Aschheim bei München bereits mehrfach krimineller Machenschaften bezichtigt und Kursstürze ausgelöst. Wirecard und die deutsche Finanzaufsicht BaFin haben den Verdacht, dass auf fallende Kurse setzende Spekulanten davon profitiert hätten. Die BaFin hatte sogenannte Leerverkäufe mit Wirecard-Aktien deswegen im Frühjahr sogar für zwei Monate verboten.

rai/Reuters/dpa
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