Hauptversammlung des Finanzkonzerns Wirecard-Aktionäre machen ihrem Ärger Luft

Eigentlich haben die Anteilseigner von Wirecard Grund zur Zufriedenheit: Die Aktie des Zahlungsabwicklers hat enorm an Wert gewonnen. Auf der Hauptversammlung wurde der Vorstand dennoch harsch kritisiert.

Wirecard-Vorstandschef Markus Braun auf Hauptversammlung: Kritik an "Chaostagen" beim Finanzkonzern
Peter Kneffel/DPA

Wirecard-Vorstandschef Markus Braun auf Hauptversammlung: Kritik an "Chaostagen" beim Finanzkonzern


Die Hauptversammlung des Zahlungsabwicklers Wirecard Chart zeigen in München an diesem Dienstag war mit 1500 Teilnehmern so gut besucht wie nie zuvor - und viele der Aktionäre wollten ihrem Ärger Ausdruck verleihen. Sie zeigten sich empört über den Umgang des Finanzkonzerns mit Unregelmäßigkeiten in Singapur und anderen Vorwürfen. Fondsmanager Ingo Speich sprach von "Chaostagen" bei dem aufstrebenden Finanztechnologiekonzern.

"Zu wenig Transparenz, sowohl im Geschäftsmodell als auch in der Kommunikation", schimpfte der Manager der Sparkassen-Fondsgesellschaft Deka in seiner mit Applaus quittierten Rede. "Der einstige Hoffnungsträger Wirecard ist zum Spielball der Märkte geworden."

Allerdings teilten nicht alle Redner die Kritik. Eine Kleinaktionärin dankte dem Vorstand für "Glücksmomente" angesichts der Aktienkursentwicklung. Ein anderer Privatanleger sagte, Wirecard sei nicht der einzige Dax-Konzern mit Turbulenzen und verwies unter anderem auf den von der Dieselaffäre gebeutelten Autobauer Volkswagen Chart zeigen.

Die Wirecard-Aktie war im vergangenen Jahr angesichts boomender Geschäfte mit der Abwicklung von Online-Zahlungen für Händler und Dienstleister weltweit zwar größter Gewinner im Dax und hat seitdem insgesamt weiter an Wert gewonnen. Der Kurs stürzte aber wiederholt ab, als Medienberichte über angebliche Bilanzfälschungen in Singapur und über undurchsichtige Geschäftspartner im Ausland die Runde machten. Wirecard hat die Vorwürfe mehrfach zurückgewiesen und sieht sie durch eigene Untersuchungen entkräftet.

Das reicht mehreren Investoren jedoch nicht aus. "Man benimmt sich immer noch so, als wäre man ein Startup, obwohl man inzwischen ein Dax-Unternehmen ist", sagte die Vizechefin der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Daniela Bergdolt. Wirecard habe viel Vertrauen verspielt. "Es reicht nicht, wie ein trotziges Kind mit dem Fuß aufzustampfen und zu behaupten, ich war es nicht, ich hab nichts getan." Sie werde gegen die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat stimmen.

"Die Untersuchung ist final abgeschlossen"

Nicolas Huber von der DWS Chart zeigen übte ähnliche Kritik. "Die vergangenen Quartale haben deutlich gemacht, dass Wirecard ihre Kapitalmarktkommunikation deutlich verbessern muss", sagte der Vertreter des Fondsanbieters der Deutschen Bank Chart zeigen. Er werde Vorstand und Aufsichtsrat nur mit der Maßgabe entlasten, dass beide Gremien Führungsstrukturen und Transparenz verbesserten, ergänzte Huber.

Vorstandschef Markus Braun und Aufsichtsratschef Wulf Matthias versprachen Besserung. Wirecard werde seine internen Kontrollmechanismen ausbauen, betonten sie. Braun hatte bereits bei der Bilanzvorlage angekündigt, deutlich mehr Geld in Qualitätskontrollen zu investieren. Infolge der in Singapur festgestellten Unregelmäßigkeiten, wegen derer Wirecard seine Bilanz korrigierte, drohten keine weiteren Risiken, sagte Braun. "Diese Untersuchung ist final abgeschlossen."

Der Trend zum Online-Bezahlen sowohl bei Internetbestellungen als auch mit dem Smartphone an der Ladenkasse dürfte Wirecard nach Brauns Angaben weiteres Wachstum bescheren. Bis 2025 solle der Umsatz von zuletzt zwei Milliarden auf zehn Milliarden Euro steigen, der Gewinn solle von einer halben Milliarde auf mehr als drei Milliarden Euro zulegen. Davon werde der Aktienkurs langfristig profitieren, versprach Braun.

fdi/Reuters



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akkronym 18.06.2019
1. Das Problem liegt wo anders
"Zu wenig Transparenz, sowohl im Geschäftsmodell als auch in der Kommunikation", schimpfte der Manager der Sparkassen-Fondsgesellschaft Deka in seiner mit Applaus quittierten Rede. "Der einstige Hoffnungsträger Wirecard ist zum Spielball der Märkte geworden." Wenn dieser Herr nicht in der Lage ist das Geschäftsmodell Wirecards zu verstehen -obwohl Braun dieses lang und breit für DUmmies nochmals dargelegt hat- dann liegt das Problem nicht bei Wirecard und auch nicht bei Braun. Wenn dieser Manager der Deka nicht versteht, dass die Vorwürfe gegen Wirecard aufgebauscht und an den Haaren herbeigezogen sind, und auch nicht kapiert, dass in solch einer Lage eine souverän zurückhaltende Kommunikation , wie es WIrecard tat- durchaus auch Sinn macht, dann ist dieser Manager vielleicht auch bei Deka falsch eingesetzt. Im Bericht fehlt der lang anhaltende Applaus der Anwesenden, die Klarstellung, dass es kein Compliance-Verletzung seitens Wirecards gab, was maßgeblich ein in dieser Affäre der aufgebauschten Vorwürfe gegen Wirecard wäre, sowie die sehr hohe Zustimmung der Anwesenden zu den Beschlüssen und bei der Entlastung der Vorstände. Schade, dass der Spiegel wieder einmal versäumt hat diese positiven Seiten darzustellen, sehr schade.
surfing 19.06.2019
2. @1: Wie naiv kann man sein?!?
Erstens sind die Vorwürfe überhaupt nicht aufgebauscht, weils Braun mit der Wahrheit halt sehr locker nimmt. Wirecard unterliegt in Singapur immer noch einer staatlichen Untersuchung, welche mitnichten abgeschlossen ist! Nur die interne Untersuchung ist abgeschlossen - soviel zu seiner Aussage. Zweitens ist Wirecard der einzige Dax-Konzern, welcher mir je untergekommen ist, der seine Geschäftszahlen OHNE eine unterschriebene Bestätigung des Prüfers publiziert (in Englisch fehlt der Prüfbericht vollkommen). Das ist Bananenniveau und nicht Dax-tauglich...
akkronym 20.06.2019
3. @2 eigenhändig
Mit diesen Maßsstäben dürfte es sicher ein persönliches Anliegen sein die Deutsche Bank persönlich aus dem Dax heraus zu komplementieren. Nun das was als interne Untersuchung bezeichnet wird ist sehr wohl durch Dritte geprüft worden. SOweit ich erinnere duch die R&T , einer renomierten Kanzelei und auch Ernest und Young schein kein Compliance-Vergehen erkannt zu haben. "Die unabhängige Untersuchung hat zu keinen Feststellungen betreffend sog. "round-tripping" oder Korruption geführt. Aus den Untersuchungen haben sich auch keine Erkenntnisse über eine strafrechtliche Verantwortung in Bezug auf die Konzernzentrale von Wirecard in München/Aschheim ergeben. Einzelne lokale Angestellte in Singapur können sich jedoch möglicherweise nach lokalem Recht strafbar gemacht haben." Wie sehr muss man Probleme mit innovativen Unternehmen im Dax haben, wenn man sich hier wie die Prinzessin auf der Erbse schmerzvoll wälzen muss?
akkronym 20.06.2019
4. @2 eigenhändig
Mit diesen Maßsstäben dürfte es sicher ein persönliches Anliegen sein die Deutsche Bank persönlich aus dem Dax heraus zu komplementieren. Nun das was als interne Untersuchung bezeichnet wird ist sehr wohl durch Dritte geprüft worden. SOweit ich erinnere duch die R&T , einer renomierten Kanzelei und auch Ernest und Young schein kein Compliance-Vergehen erkannt zu haben. "Die unabhängige Untersuchung hat zu keinen Feststellungen betreffend sog. "round-tripping" oder Korruption geführt. Aus den Untersuchungen haben sich auch keine Erkenntnisse über eine strafrechtliche Verantwortung in Bezug auf die Konzernzentrale von Wirecard in München/Aschheim ergeben. Einzelne lokale Angestellte in Singapur können sich jedoch möglicherweise nach lokalem Recht strafbar gemacht haben." Wie sehr muss man Probleme mit innovativen Unternehmen im Dax haben, wenn man sich hier wie die Prinzessin auf der Erbse schmerzvoll wälzen muss?
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