Skandalmanager Markus Braun Anzeige wegen Aktienmanöver des Ex-Wirecard-Chefs

Wirecard ist insolvent, Ex-Chef Braun rückt nun auch in Österreich in den Fokus der Justiz. Es geht um seine Aktienkäufe - und laut SPIEGEL-Informationen um einen Millionenkredit einer Oldenburger Bank.
Markus Braun soll einen Kredit in Höhe von 120 Millionen Euro aufgenommen haben - und zeitgleich Wirecard-Aktien gekauft haben

Markus Braun soll einen Kredit in Höhe von 120 Millionen Euro aufgenommen haben - und zeitgleich Wirecard-Aktien gekauft haben

Foto:

Peter Kneffel/ DPA

Im Wirecard-Bilanzskandal haben die ehemaligen Vorstände des insolventen Zahlungsdienstleisters nun auch in Österreich eine Anzeige am Hals. Bei der Wiener Staatsanwaltschaft ging eine Anzeige wegen des Verdachts der Marktmanipulation und des schweren Betrugs ein, sagte ein Sprecher der Behörde der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Anzeige richte sich gegen Ex-Wirecard-Chef Markus Braun und das frühere Vorstandsmitglied Jan Marsalek, der Medienberichten zufolge derzeit per Haftbefehl gesucht wird. Beide Beschuldigten sind Österreicher. Die Kanzlei von Marsaleks Anwalt wolle sich nicht dazu äußern. Brauns Anwalt war zunächst für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Nach Mitteilung der Staatsanwaltschaft Wien wird der Vorgang an die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKSTa) abgetreten. Eingebracht wurde die Strafanzeige am Montag vom Wiener Anwalt Jörg Zarbl. Er teilte Reuters mit, er sehe vor allem einen Aktienkauf von Braun als problematisch an. Braun hatte Mitte Mai Wirecard-Aktien für 2,5 Millionen Euro erworben und damit der Aktie zu einem Kurssprung verholfen.

Millionenkredit bei OLB aufgenommen

Laut Zarbl habe der frühere Wirecard-Chef etwa zeitgleich einen Kredit über 120 Millionen Euro aufgenommen sowie zwei österreichische Immobilien belehnt. Das hätten Recherchen in den Grundbüchern ergeben, sagte Zarbl. "Aus meiner Sicht wäre hier zu prüfen, ob man nicht mit Absicht positive Signale an den Markt setzen wollte". Bei der Bank handelt es sich nach Recherchen des SPIEGEL um die Oldenburgische Landesbank (OLB), eine Regionalbank mit Sitz in Niedersachsen.

Das geht aus einem Pfandstellungsvertrag vom 14. Mai 2020 hervor. Besichert ist der Kredit mit zwei Immobilien von Braun in Wien und Kitzbühel. Ihr Wert wird auf 30 Millionen Euro taxiert. Ob es darüber hinaus weitere Sicherheiten gibt, wollte die OLB auf Anfrage nicht sagen.

Niedersächsischer Bank droht Rechtsstreit

Der Vorgang könnte für die OLB Folgen haben und Teil eines Rechtsstreits werden. Der Wiener Anwalt Zarbl erwägt jedenfalls, gegen die Besicherung des Kredits vorzugehen. Sowohl der Darlehensvertrag mit der Bank als auch der damit verbundene Pfandrechtsvertrag seien "aufgrund der Gläubigerbenachteiligung anfechtbar", sagte Zarbl dem SPIEGEL. Er werde "zum Schutze der geschädigten Anleger die Sicherstellung der Vermögenswerte von Herrn Braun bei der WKStA Wien beantragen."

Auch die deutsche Finanzaufsicht Bafin nimmt den Aktienkauf wegen eines möglichen Verstoßes gegen Insiderhandels-Vorschriften unter die Lupe. Die Finanzaufsicht war nach Bekanntwerden des Skandals selbst in die Kritik geraten. Brauns Investmentvehikel - die MB Beteiligungsgesellschaft - erklärte, die kapitalmarktrechtlichen Vorgaben seien uneingeschränkt eingehalten worden.

Wirecard hatte am Donnerstag Insolvenz angemeldet, nachdem ein Loch von 1,9 Milliarden Euro in der Bilanz bekannt wurde. In München laufen bereits Ermittlungen. Braun wurde verhaftet und ist auf Kaution wieder freigelassen worden.

beb/nna/Reuters
Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.