Mögliche Börsenmanipulation Bafin hegt Insiderverdacht gegen Wirecard

Haben Wirecard-Insider das Ergebnis der Bilanzprüfung vorab verbreitet - und damit Geld verdient? Die Finanzaufsicht sieht Hinweise darauf und hat die Staatsanwaltschaft informiert.
Wirecard-Zentrale in Aschheim: Insider-Verdacht beim Zahlungsdienstleister

Wirecard-Zentrale in Aschheim: Insider-Verdacht beim Zahlungsdienstleister

Foto: CHRISTOF STACHE/ AFP

Die Finanzaufsicht Bafin hat der Staatsanwaltschaft München mitgeteilt, dass sie einen Insiderverdacht gegen den insolventen Zahlungsdienstleister Wirecard hegt. Eine Bafin-Sprecherin bestätigte der Nachrichtenagentur Reuters einen entsprechenden "Handelsblatt"-Bericht . In dem Text hatte es geheißen, problematisch sei unter anderem ein Beitrag in einem Börsenforum.

Acht Tage vor dem Wirecard-Crash habe darin ein Nutzer geschrieben, dass die Bilanzprüfer von Ernst & Young (EY) am 18. Juni nicht uneingeschränkt testieren werden. Die Wirecard-Geschäftsführung habe keine erforderlichen Nachweise erbracht, woher erhebliche Summen als Sicherheiten auf Treuhandkonten stammten, hieß es dem Bericht zufolge in dem Forumsbeitrag. Mitarbeiter hätten diese Information an Leerverkäufer weitergegeben.

Damit habe der anonyme Hinweisgeber das Prüfergebnis von EY vorweggenommen, schrieb das "Handelsblatt". Schon im Frühjahr 2020 seien Konzerninsider bei Wirecard über Probleme mit der Abschlussprüfung informiert gewesen.

Der Absturz von Wirecard im Zuge eines Bilanzskandals hat weltweit für Schlagzeilen gesorgt. Der einst gefeierte Finanzdienstleister hat gestanden, dass in der Jahresbilanz 1,9 Milliarden Euro fehlen und das Geld vermutlich gar nicht existiert. Wirecard hat inzwischen Insolvenz beantragt und steht womöglich vor der Zerschlagung. Die Staatsanwaltschaft München ermittelt in dem Fall.

Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft bekräftigte nach der Veröffentlichung des "Handelsblatt"-Berichts lediglich frühere Aussagen, dass es umfangreiche Ermittlungen gegen den ehemaligen Wirecard-Vorstandschef Markus Braun und weitere Beschuldigte  gebe. Dabei würden alle in Betracht kommenden Straftaten geprüft. Zur Frage, ob auch Insiderhandel dazu gehört, wollte sie sich nicht äußern.

kko/Reuters
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