Finanzdienstleister Wirecard-Chef Braun tritt mit sofortiger Wirkung zurück

Inmitten eines Bilanzskandals tritt der Chef des Zahlungsdienstleisters Wirecard zurück. Markus Braun legt nach Unternehmensangaben sein Amt mit sofortiger Wirkung nieder.
Markus Braun: Verbleib von 1,9 Milliarden Dollar ungeklärt

Markus Braun: Verbleib von 1,9 Milliarden Dollar ungeklärt

Foto: PHILIPP GUELLAND/EPA-EFE/Shutterstock

Der Vorstandschef des Dax-Konzerns Wirecard, Markus Braun, tritt mit sofortiger Wirkung zurück. Interimschef wird der erst am Vorabend in den Vorstand berufene US-Manager James Freis, wie Wirecard in München mitteilte.

Wirecard ist tief in einen Bilanzskandal verstrickt. Die Affäre fand am Donnerstag einen neuen Höhepunkt, als die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young den Jahresabschluss nicht testierte. EY vermutet Täuschungsabsicht. Wirecard sieht sich nach Angaben vom Donnerstagabend dagegen als Opfer und fürchtet einen "gigantischen" Milliardenbetrug.

Der Finanzdienstleister hatte zuvor seinen Jahresabschluss zuletzt mehrfach verschoben - und war nach eigenen Angaben von den Abschlussprüfern darauf hingewiesen worden, dass für die Existenz von Bankguthaben über 1,9 Milliarden Euro auf Treuhandkonten keine ausreichenden Nachweise vorlägen.

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Suspekte Treuhandkonten auf den Philippinen?

Die philippinische Bank BDO Unibank, bei der angeblich eines von zwei suspekten Treuhandkonten für Wirecard geführt wurde, teilte mit, dass das deutsche Unternehmen kein Kunde sei: "Das Dokument, in dem die Existenz eines Wirecard-Kontos bei BDO behauptet wird, ist ein manipuliertes Dokument, das gefälschte Unterschriften von Bankangestellten trägt", hieß es in der Stellungnahme des in der Stadt Makati ansässigen südostasiatischen Geldhauses. "Der Fall ist an die Zentralbank der Philippinen berichtet worden."

Der Aufsichtsrat hatte bereits am Donnerstagabend Vorstandsmitglied Jan Marsalek vorerst suspendiert, der als Vertrauter Brauns gilt. Er war für das Tagesgeschäft verantwortlich.

Getrieben von Spekulationen über eine Insolvenz setzte sich am Freitag an der Börse noch vor Rücktritt des Vorstandschefs der Verfall des Aktienkurses fort. Im Verlauf des Vormittags verloren die Papiere in Frankfurt erneut fast die Hälfte ihres Werts und notierten nur noch bei circa 20 Euro - am Mittwochabend war eine Wirecard-Aktie noch über 100 Euro wert gewesen.

Dem Unternehmen droht der Verlust von Kreditlinien in Milliardenhöhe. Wenn Wirecard an diesem Freitag keinen von Wirtschaftsprüfern testierten Jahres- und Konzernabschluss vorlegt, könnten diese gekündigt werden. Das hatte der Konzern am Donnerstag bekannt gegeben.

Die Ermittlungen der Münchner Staatsanwaltschaft laufen trotz der Umwälzungen weiter. "Wir ermitteln insgesamt ergebnisoffen im gesamten Sachverhalt Wirecard, einschließlich der aktuellen Ereignisse", teilte eine Sprecherin am Freitag mit. 

Die Strafverfolger hatten Ermittlungen gegen die bisherigen vier Vorstandsmitglieder aufgenommen. Diese werden beschuldigt, den Markt über eine Sonderprüfung durch KPMG nicht korrekt informiert zu haben. Sie weisen die Vorwürfe zurück. Zudem steht eine Reihe von Anlegern und Journalisten seit längerer Zeit im Visier der Ermittler, ebenfalls wegen des Verdachts der Marktmanipulation.

apr/AFP/Reuters/dpa
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