Aktienkäufe Chef von Wirtschaftsprüfer-Behörde nach Wirecard-Geschäften freigestellt

Der Chef der Wirtschaftsprüferaufsicht Apas handelte kurz vor dem Auffliegen der Wirecard-Affäre mit Konzernaktien. Dafür muss er nun seinen Hut nehmen.
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Der Chef der Wirtschaftsprüferaufsicht Apas, Ralf Bose, ist nach Geschäften mit Wirecard-Aktien freigestellt worden. Darüber sei er bereits am 11. Dezember informiert worden, teilte das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) mit.

Dies erfolge, »um die Integrität der Apas bis zur schlussendlichen Aufklärung des Sachverhalts sicherzustellen.« Der Leiter der Unterabteilung Qualitätskontrolle übernehme bis auf Weiteres die Leitung der Behörde. Die Apas beaufsichtigt Abschlussprüfer in Deutschland.

Befremdliches Verlustgeschäft

Apas-Chef Ralf Bose hatte in der Sitzung des Wirecard-Untersuchungsausschusses im Bundestag ausgesagt, privat mit Aktien des Skandalunternehmens gehandelt zu haben, während die Bundesbehörde die Arbeit des damaligen Wirecard-Bilanzprüfers Ernst & Young (EY) genauer unter die Lupe nahm. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hatte am Freitag erklärt, dass ihn dieser Vorgang befremdet habe.

Bose kaufte am 28. April Aktien von Wirecard und verkaufte sie am 20. Mai wieder, wie Teilnehmer der Ausschusssitzung nach der Befragung Boses gesagt hatten. Er hatte sie also ausgerechnet an dem Tag erworben, als der Zahlungsabwickler in einem Sonderbericht ein vernichtendes Urteil der Wirtschaftsprüfer von KPMG erhalten hatte.

Die Apas steht im Fall Wirecard in der Kritik, weil sie erst im Sommer 2020 ein förmliches Verfahren gegen EY einleitete, obwohl sich die Betrugsvorwürfe bereits Monate zuvor erhärtet hatten. Die Wirtschaftsprüfer von EY hatten jahrelang die Bilanzen des früheren Dax-Konzerns Wirecard abgesegnet, obwohl der Konzern seit 2015 Scheingewinne ausgewiesen haben soll.

Anzeige gegen EY-Manager

Eine andere Aussage vor dem Untersuchungsausschuss hat offenbar ein juristisches Nachspiel. Die Bundestagsabgeordnete Cansel Kiziltepe (SPD) hat bei der Berliner Staatsanwaltschaft Strafanzeige gegen den EY-Manager Christian Orth wegen des Verdachts der uneidlichen Falschaussage gestellt. Orth ist Leiter der internen Qualitätssicherung bei EY und war in dieser Funktion als Zeuge geladen. Die Anzeige liegt dem SPIEGEL vor.

»Ich gehe davon aus, dass er vor dem Untersuchungsausschuss Wirecard falsch ausgesagt hat«, sagte Kiziltepe. Hintergrund der Auseinandersetzung ist ein Telefonat, das Orth am Abend des 25. November mit einem hochrangigen Apas-Beamten führte – zu einem Zeitpunkt, als die Behörde bereits strafrechtliche Vorwürfe gegen Wirtschaftsprüfer von EY erhob. Über den Inhalt dieses Telefonats gibt es jedoch unterschiedliche Darstellungen.

Widersprüchliche Aussagen

Laut dem Apas-Beamten habe sich Orth explizit nach den Inhalten der (bis dahin öffentlich nicht bekannten) Anzeige erkundigt. Der Beamte gab an, den ungewöhnlichen Vorgang im Anschluss an das Gespräch in einem Protokoll festgehalten zu haben. Orth hatte vor dem Untersuchungsausschuss ausgesagt, nichts von den Vorwürfen gegen EY-Mitarbeiter gewusst und am Telefon lediglich um einen Ansprechpartner für die Rechtsabteilung gebeten zu haben.

»Während wir über Wochen die lückenlose Aufklärung des Wirecard-Skandals vorantreiben, scheint Herr Dr. Orth es nicht für notwendig zu halten, wahrheitsgemäße Aussagen zu treffen«, sagte Kiziltepe.

rai/dpa/Reuters
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