Nach Aktieneinbruch Wirecard-Chef sieht "keinerlei Risiko"

Zeitungsberichte über angebliche finanzielle Unregelmäßigkeiten haben die Aktie von Wirecard zweimal auf Talfahrt geschickt. Nun meldet sich der Firmenchef zu Wort, wiegelt ab und verspricht sogar ein starkes Jahr.

REUTERS

Der Zahlungsabwickler Wirecard hat Berichte über finanzielle Unregelmäßigkeiten erneut zurückgewiesen. Sowohl eine interne Überprüfung als auch eine unabhängige Untersuchung einer beauftragten Rechtsanwaltskanzlei hätten kein strafbares Fehlverhalten von Führungskräften oder Mitarbeitern gefunden, teilte Wirecard mit.

Unternehmenschef Markus Braun nannte die kürzlich erhobenen Vorwürfe zu Betrug und Geldwäsche eine "Non-Story": "Wir haben alles aufgearbeitet. Es gibt keinerlei Risiko. Wir mussten in der Buchhaltung keinerlei Korrekturen oder Anpassungen vornehmen", sagte Braun dem "Handelsblatt".

Die Wirtschaftszeitung "Financial Times" hatte am Mittwoch und am Freitag von einem Verdacht auf kriminelle Machenschaften bei Wirecard Chart zeigen berichtet. Die Aktien des Dax-Konzerns brachen daraufhin ein. Am Montag erholte sich der Kurs. Die Wirecard-Aktie legte um 16 Prozent auf 126 Euro zu, lag damit aber noch weit unter dem Niveau vor dem Bericht.

Wirecard sieht Hinweise auf Feindseligkeiten unter Kollegen

Die Polizei in Singapur untersucht den Fall nach eigenen Angaben. Wirecard teilte mit, im April 2018 habe ein Mitarbeiter in Singapur Bedenken wegen mutmaßlicher Compliance-Verletzungen eines Kollegen geäußert. Eine interne Überprüfung habe ergeben, dass die Vorwürfe unbegründet waren und auch mit persönlichen Feindseligkeiten zusammenhängen könnten. Dennoch habe Wirecard eine Rechtsanwaltskanzlei eingeschaltet, die bisher ebenfalls kein Fehlverhalten feststellen konnte. Die Prüfung sei aber noch nicht ganz abgeschlossen.

Auf die Frage, ob auch in anderen Anwaltskanzleien Unterlagen zu den Vorwürfen wie denen aus Singapur vorliegen könnten, sagte Braun dem "Handelsblatt": "Nein. Es gibt keine weiteren Vorgänge. Unsere Aktionäre werden ein starkes Jahr 2019 erleben."

Die Bundesfinanzaufsicht Bafin und die Staatsanwaltschaft München nahmen nach dem ersten Kurseinbruch Ermittlungen auf - die Behörden untersuchen, ob es sich bei dem Aktienabsturz um eine mögliche Marktmanipulation gehandelt habe. Das Unternehmen aus Aschheim bei München war in den vergangenen Jahren wiederholt Ziel von Betrugsvorwürfen, die aber nie konkreter wurden.

mmq/Reuters/dpa

insgesamt 7 Beiträge
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mori1982 04.02.2019
1. Ft
Eigentlich eine renommierte Zeitung. Wer sich mit Wirecard befasst weiss, dass diese Aktie schon häufiger angriffen mittels Leerverkäufen ausgesetzt war. Da fehlt definitiv ein Rechtsmittel gegen solche manipulativen lancierten Informationen die Kurse manipulieren. Nichtsdestotrotz habe auch ich den tiefen Kurs genutzt, mein Depot teilweise aufgelöst und am Freitag in Wirecard investiert.
Badischer Revoluzzer 04.02.2019
2. Da werden einige Wenige
mal wieder richtig Kohle gezogen haben. Und alles legal. Und das betroffene Unternehmen kann sich nicht wehren. Und die Politik schaut zu. Was kann die Bafin unternehmen? Was unternimmt die Kripo? Nichts. Also Leute, wenn ihr das nächste Mal wieder so einen Coup landet, gebt mit Bescheid. Ist doch legal.
froschi1411@msn.com 04.02.2019
3. Niemand hat die Absicht eine Mauer zu bauen
Da sieht man wieder dass es ein reines Gluecksspiel ist an der Boerse in Aktien zu investieren. Jede gute oder schlechte Nachricht beeinflusst die Kurse und der normale Anleger hat keine Moeglichkeit den Wahrheitsgehalt der gegenseitigen Anschuldigungen oder Dementis zu ueberpruefen. Der Aengstliche wird verkaufen oder nicht kaufen und der Mutige investiert in die niedrige´n Kurrse. Wer dann Glueck hat zeigt sich erst spaeter.
Patenting 04.02.2019
4. Nicht alles glauben, was in der "Zeitung" steht !!
Gilt auch für SPIEGEL ...
Pensionskassen 04.02.2019
5. Spielbanken
Die Bankenkrise und die Null-Zinspolitik der EZB hat gezeigt, dass die Banken kein anständiges Bankgeschäft mehr betrieben, sondern zu Spielbanken geworden sind. Das Ansehen und damit der Kurse der Banken fallen ins Uferlose und Wirecard erhält an der Börse einen Wert, dem keine entsprechende Substanz gegenüberseht, da die Banken ihr eigentliches Bankgeschäft verschlafen haben. Dieses Spiel wird sich fortsetzen solange die Regierung keinen Mut zum Eingreifen aufbringt.
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