Bafin-Chef zu Wirecard "Ein komplettes Desaster"

Bafin-Chef Felix Hufeld hat sich über den Bilanzskandal bei Wirecard mit drastischen Worten geäußert. Er sprach von einer "Schande", übte aber auch Kritik an der eigenen Aufsichtsbehörde.
Bafin-Chef Hufeld: "Entsetzlichste Situation, in der ich jemals einen Dax-Konzern gesehen habe"

Bafin-Chef Hufeld: "Entsetzlichste Situation, in der ich jemals einen Dax-Konzern gesehen habe"

Foto: Frank Rumpenhorst/ DPA

Die Finanzaufsicht Bafin zeigt sich entsetzt über den Bilanzskandal beim Zahlungsdienstleister Wirecard. "Das ist ein komplettes Desaster, das wir da sehen, und es ist eine Schande, dass so etwas passiert ist", sagte der Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, Felix Hufeld. "Wir befinden uns mitten in der entsetzlichsten Situation, in der ich jemals einen Dax-Konzern gesehen habe."

Wirecard hatte in der Nacht zum Montag eingeräumt, dass 1,9 Milliarden Euro, die das Unternehmen auf Treuhänderkonten verbucht hatte, sehr wahrscheinlich nicht existieren. Deswegen prüft der Konzern nun die nachträgliche Korrektur seiner Bilanzen der vergangenen Jahre. Bereits am Freitag war Vorstandschef Markus Braun zurückgetreten.

Selbstkritik der Bafin: "Nicht effektiv genug gewesen"

Die Kritik an der Rolle der Aufsichtsbehörden - inklusive der Bafin - nehme Hufeld voll und ganz an. "Wir sind nicht effektiv genug gewesen, um zu verhindern, dass so etwas passiert", räumte Hufeld ein. Wichtig sei nun rasche Aufklärung.

Wirecard wickelt bargeldlose Zahlungen für Händler ab - sowohl an Ladenkassen als auch online. Das Unternehmen ist seit mehr als einem Jahr in Bedrängnis, seit die Londoner "Financial Times" dem Management in einer Serie von Artikeln Bilanzmanipulationen vorwarf. Die Finanzaufsicht Bafin und die Münchner Staatsanwaltschaft untersuchen verschiedene Aspekte im Fall Wirecard. 

Moody's entzieht Wirecard das Rating komplett

Die Ratingagentur Moody's indes hat Wirecard die Bonitätsnote nun komplett entzogen. Die Experten hätten beschlossen, die Ratings zurückzuziehen, weil es Unregelmäßigkeiten in der Bilanz gebe, die noch aufzuklären seien, teilte Moody's mit. Die Agentur verfüge nicht mehr über ausreichende Informationen, um eine Bewertung über die Kreditwürdigkeit des Zahlungsabwicklers aus der Nähe von München abzugeben.

Am Freitag hatte Moodys's die Bonitätsnote von Wirecard um ganze sechs Stufen auf Ramschniveau zurückgestuft. Der Konzern hat eingeräumt, dass in seiner Bilanz 1,9 Milliarden Euro fehlen.

rwi/apr/dpa/Reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.