Regeländerung der Deutschen Börse Wirecard fliegt noch im August aus dem Dax

Der insolvente Zahlungsabwickler Wirecard muss den deutschen Leitindex schon bald verlassen. Die Börse hat dafür extra die Regeln geändert. Nachfolger könnten ein Lieferdienst oder ein Aromahersteller werden.
Wirecard-Zentrale in Aschheim bei München: Staatsanwaltschaft geht von "gewerbsmäßigem Bandenbetrug" aus

Wirecard-Zentrale in Aschheim bei München: Staatsanwaltschaft geht von "gewerbsmäßigem Bandenbetrug" aus

Foto: Michael Dalder / REUTERS

Gründe für den Rauswurf von Wirecard aus dem Dax gibt es mehrere: die Insolvenz genauso wie den Einbruch des Börsenwerts auf 200 Millionen Euro. Doch nach den bislang geltenden Regeln hätte der Zahlungsdienstleister erst zum 21. September den deutschen Leitindex verlassen müssen.

Um den ungeliebten Klassenkameraden schon früher loszuwerden, hat die Deutsche Börse nun aber ihr Regelwerk überarbeitet. Gemäß der neuen Regeln werden insolvente Unternehmen nun mit einer Frist von zwei Handelstagen aus den Dax-Auswahlindizes (Dax, MDax, SDax und TecDax) herausgenommen, teilte die Deutsche Börse mit. Bisher war das erst bei der nächsten regulären Überprüfung vorgesehen, die alle drei Monate fällig ist.

Eine Mehrheit der Marktteilnehmer stimmte nun für eine Änderung der Regeln. Die von der Index-Tochter Stoxx Ltd. beschlossene Regeländerung soll zum Mittwoch, 19. August in Kraft treten. Die sich daraus aktuell ergebenden Veränderungen in der Zusammensetzung von Dax und TecDax werden entsprechend am selben Abend nach 22 Uhr bekannt gegeben und nach Börsenschluss am Freitag, 21. August, umgesetzt. Grundlage der Berechnung sei die Rangliste vom 31. Juli sowie weitere Vorgaben aus dem Regelwerk.

Weitere Reform der Dax-Regeln geplant

Wirecard hatte im September 2018 den frei gewordenen Platz der Commerzbank im Dax eingenommen. Im Juni 2020 räumte der Konzern jedoch Luftbuchungen von 1,9 Milliarden Euro ein. Die Münchner Staatsanwaltschaft geht mittlerweile von einem "gewerbsmäßigen Bandenbetrug" bei Wirecard aus - seit 2015.

Wer dem Zahlungsanbieter im Dax nachfolgt, wird die Börse erst kommende Woche entscheiden. Das Rennen werden aller Voraussicht nach der Restaurant-Lieferdienst Delivery Hero und der Aromenhersteller Symrise unter sich ausmachen. Im Technologiewerte-Index TecDax gelten die beiden Unternehmen LPKF und Stratec als die Favoriten für den frei werdenden Platz des Zahlungsabwicklers.

Delivery Hero hatte sein Deutschlandgeschäft an den Konkurrenten Just Eat Takeaway ("Lieferando") verkauft - als Spiegelbild der deutschen Wirtschaft, die der Dax abbilden soll, kann das ehemalige Start-up damit also kaum gelten. Die Börse hat dem Arbeitskreis Aktienindizes allerdings vor einigen Jahren alle Spielräume zur Dax-Zusammensetzung genommen. Er entscheidet nur nach dem Börsenwert des Streubesitzes und dem Handelsumsatz.

Die neue Regelung zu insolventen Unternehmen wurden von der Deutschen Börse in den vergangenen drei Wochen abgestimmt. Konkret bezieht sich die Änderung auf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens als ein gesetzlich festgelegtes Verfahren und umfasst alle relevanten öffentlichen Mitteilungen dazu, präzisierte der Marktbetreiber aus Eschborn bei Frankfurt. Da auch Unternehmen aus anderen EU-Staaten Indexmitglied werden können, beziehe sich die Regelung daher nicht nur auf das deutsche Insolvenzrecht.

Darüber hinaus arbeitet die Börse an einer Reform des Dax-Regelwerks, über die dann erneut die Marktteilnehmer abstimmen sollen. Zu den Inhalten hält sich der Indexanbieter bislang jedoch bedeckt.

Anmerkung der Redaktion: Es wurde korrigiert, dass es sich beim 19. August um nächsten Mittwoch handelt.

apr/dpa/Reuters
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