Informantin des Skandalkonzerns Commerzbank trennt sich von Wirecard-Analystin

Sie versorgte das Management des Skandalkonzerns mit vertraulichen Informationen, statt unabhängig zu bewerten. Nun hat die Commerzbank den Vertrag mit einer umstrittenen Wirecard-Analystin beendet.
Wirecard-Zentrale in Aschheim: Große Nähe der Analystin zum Management

Wirecard-Zentrale in Aschheim: Große Nähe der Analystin zum Management

Foto: Sven Simon / imago images

Die Commerzbank hat das Arbeitsverhältnis mit der Wirecard-Analystin Heike Pauls beendet. Das bestätigte die Bank dem SPIEGEL auf Anfrage. »Bitte haben Sie Verständnis, dass wir das Thema aus arbeitsrechtlichen Gründen nicht weiter kommentieren«, teilte die Commerzbank weiter mit. Zuvor hatte das »Handelsblatt« über die Trennung berichtet.

Die Analystin hatte die Aktien des Skandal-Finanzkonzerns bis kurz vor dessen Zusammenbruch im Juni 2020 zum Kauf empfohlen und ein Kursziel von 230 Euro angegeben. Berichte über dubiose Methoden von Wirecard hatte sie im Jahr zuvor als »Fake News« bezeichnet.

Aus vertraulichen E-Mails, die dem SPIEGEL vorliegen, geht zudem hervor, dass Pauls das Management von Wirecard bereits Ende 2016 mit exklusiven Informationen belieferte. Sie berichtete darin von Bedenken kritischer Investoren und schilderte ausführlich die Verdachtsmomente, die es damals bereits gegen Wirecard gab. Zudem gab sie in den E-Mails an, den Finanzkonzern gegen die Vorwürfe verteidigt zu haben.

Wirecard war im vergangenen Sommer zusammengebrochen, nachdem bekannt geworden war, dass angebliche Unternehmensgelder in Milliardenhöhe schlicht nicht existieren. Bereits seit Jahren hatten Zeitungen wie die »Financial Times« und kritische Investoren auf Ungereimtheiten bei dem Finanzdienstleister hingewiesen.

Auch die deutsche Finanzaufsicht Bafin stoppte den Betrug trotz dieser Hinweise nicht. Ende vergangener Woche wurde bekannt, dass Bafin-Chef Felix Hufeld und Vizechefin Elisabeth Roegele ihre Posten räumen müssen.

fdi/baz
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