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Rekonstruktion der Wirecard-Pleite Ein Untergang mit Ansage

Seit Jahren gab es Betrugs- und Geldwäschevorwürfe gegen Wirecard. Einem Kritiker schickte die Firma gar einen Ex-Boxer vorbei. Kontrolleure und Anleger ignorierten alle Alarmzeichen.
aus DER SPIEGEL 27/2020
Wirecard-Zentrale in Aschheim bei München

Wirecard-Zentrale in Aschheim bei München

Foto: SEBASTIAN ARLT / LAIF

Der 12. März war ein besonderes Datum für Markus Braun. An jenem Spätwintertag hatte der Wirecard-Chef seinen Anlegern Großartiges zu verkünden: Die Sonderprüfung des Unternehmens durch die Wirtschaftsprüfer von KPMG werde wohl "keine Auswirkungen auf die Jahresabschlüsse" haben.

Für die Aktionäre war das ein Signal der Hoffnung. Die ewig schwelenden Vorwürfe, Wirecard frisiere seine Bilanzen, erfinde Deals und sei kaum mehr als eine Geldwäscheplattform – der von Wirecard beauftragte KPMG-Bericht sollte den Vorwürfen endlich ein Ende bereiten. Zwar hatten die Prüfer ihre Arbeit noch nicht beendet. Aber schon bald, so Brauns Botschaft, werde Wirecard wieder durchstarten, die zerrupfte Aktie wieder steigen.

Tatsächlich markiert der 12. März den Anfang eines Börsenkrimis, der am Donnerstag vergangener Woche mit der Insolvenz von Wirecard ein krachendes Ende gefunden hat und deutsche Wirtschaftsgeschichte schreiben wird.

Denn am Tag seiner Jubeldepesche war Braun gezwungen, ein Privatdarlehen über 20 Millionen Euro bei der Deutschen Bank abzulösen. Den Kredit hatte er mit einer Million Wirecard-Aktien besichert. Offenbar war dem Geldhaus schon damals nicht mehr wohl bei dem Gedanken an ihren Kreditkunden Braun. Der von Tech-Aficinados vergötterte Manager, der zeitweise mehr als 8,5 Millionen Wirecard-Aktien hielt, übertrug die Papiere an eine andere Bank, seine Fans bekamen von dem Teilrausschmiss nichts mit.

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Am 18. Mai, als die Aktionäre noch immer auf ein Wunder hofften, wiederholte sich das Spiel. Braun musste weitere zwei Millionen Aktien aus seinem Depot bei der Deutschen Bank München ausbuchen, um 58 Millionen Euro Kredit abzulösen. Beide Buchungsvorgänge liegen dem SPIEGEL vor, die Deutsche Bank kommentiert sie nicht. Brauns Anwalt teilte mit, die Umschuldung habe "zu wesentlich schlechteren Kreditkonditionen geführt, die aber in Kauf genommen wurden, um einen Verkauf der Aktie zu vermeiden".

Inzwischen sind die Aktien fast wertlos. Braun hat Wirecard in einer Mischung aus Größenwahn, Chuzpe und womöglich krimineller Energie ruiniert: Am Donnerstag musste der Vorstand wegen drohender Überschuldung Insolvenzantrag stellen.

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