Skandalkonzern Insolvenzverwalter von Wirecard verkauft Brasilien-Geschäft

Der Ausverkauf des insolventen Zahlungsabwicklers Wirecard beginnt. Die brasilianische Tochter hat einen neuen Eigentümer gefunden. Auch in Großbritannien könnte es bald eine Einigung geben.
Wirecard-Sitz in Aschheim: "Wir freuen uns, dass hier so schnell eine gute Lösung gefunden werden konnte"

Wirecard-Sitz in Aschheim: "Wir freuen uns, dass hier so schnell eine gute Lösung gefunden werden konnte"

Foto: Sven Simon / imago images

Wirecard-Insolvenzverwalter Michael Jaffé hat einen ersten Teil des in einem Bilanzskandal zusammengebrochenen Zahlungsabwicklers verkauft. Das Brasilien-Geschäft gehe an eine Tochter des an der New Yorker Börse gelisteten Zahlungsdienstleisters PagSeguro, teilte Jaffé mit. Die brasilianischen Behörden müssten noch zustimmen.

"Der Verkauf der Wirecard Brazil ist als erster Verwertungserfolg umso erfreulicher, als die Rahmenbedingungen im Wirecard-Insolvenzverfahren ausgesprochen schwierig waren und weiterhin sind", sagte Jaffé der Mitteilung  zufolge. "Wir freuen uns, dass hier so schnell eine gute Lösung gefunden werden konnte." Die Erlöse aus dem Verkauf sollten Gläubigern zugutekommen.

Railsbank will britische Wirecard-Tochter kaufen

Auch der Verkauf weiterer Teile von Wirecard macht offenbar Fortschritte. Jaffe bestätigte, dass man sich mit dem britischen Konkurrenten Railsbank Technology grundsätzlich über den Verkauf der Technologie und des Kundenstamms der Großbritannien-Tochter Wirecard Card Solutions einig sei.

Verträge seien aber noch nicht unterzeichnet, teilte das Unternehmen mit. Die Londoner Tageszeitung "The Times"  hatte zuvor berichtet, Railsbank werde die Kartentechnologie sowie Kunden und Mitarbeiter übernehmen. Das übrige Großbritannien-Geschäft solle abgewickelt werden. Die "Times" zitierte Railsbank-Chef und -Gründer Nigel Verdon mit den Worten, er wolle den Kunden etwas Sicherheit geben und den Ruf seiner Firma nutzen, um das verlorene Vertrauen in den Payment-Sektor wiederherzustellen.

Verkauf von US- und Deutschland-Geschäft geht voran

Die britische Wirecard Card Solutions bietet unter anderem Kreditkarten für Privat- und Geschäftskunden an. Zudem werden über ihre Plattformen Onlinetransaktionen abgewickelt (Processing) und abgerechnet (Acquiring). Die britische Aufsichtsbehörde FCA hatte dem Unternehmen nach der Insolvenz der Mutter zeitweise den Geschäftsbetrieb untersagt. Kunden können aber inzwischen wieder auf ihr Geld zugreifen. 

Wirecard-Insolzenzerwalter Jaffé sagte außerdem, für das US-Geschäft würden in Kürze die bindenden Gebote fällig. Auch der Verkauf des deutschen Kerngeschäfts gehe in die nächste Phase. "Es gibt mehrere namhafte Interessenten, die indikative Angebote abgegeben haben."

kko/Reuters
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