Vor der Insolvenz des Skandalkonzerns Finanzministerium sprach mit Wirecard-Chef über brisante Sonderprüfung

Worum ging es bei den Gesprächen zwischen Finanzstaatssekretär Jörg Kukies und dem damaligen Wirecard-Chef Markus Braun? Ein Protokoll gibt es offenbar nicht - nur geheime Dokumente.
Staatssekretär Kukies: Warum ließ er das Gespräch nicht protokollieren?

Staatssekretär Kukies: Warum ließ er das Gespräch nicht protokollieren?

Foto: Stephanie Lecocq/ EPA-EFE/ REX

Finanzstaatssekretär Jörg Kukies hat nach SPIEGEL-Informationen im November 2019 mit dem damaligen Wirecard-Chef Markus Braun auch über die Wirtschaftsprüfungsfirma KPMG gesprochen, die kurz zuvor eine Sonderprüfung des Dax-Unternehmens begonnen hatte. Das geht aus geheimen Unterlagen der Bundesregierung hervor, in die Abgeordnete Einsicht hatten.

Das Finanzministerium hatte die Inhalte von zwei Gesprächen, die Kukies im September und November 2019 mit Braun geführt hatte, zunächst nicht offenlegen wollen und sich in einer Antwort auf Anfragen von Grünen und Linken auf "Geheimschutzinteressen" berufen. Stattdessen wurden Abgeordnete, die an den Gesprächen interessiert waren, an die Geheimschutzstelle des Bundestags verwiesen, wo Informationen bereitliegen sollten.  

Die hinterlegten Unterlagen allerdings fielen offenbar enttäuschend aus. Lediglich über ein Gespräch im November sei berichtet worden, heißt es - in wenigen Zeilen: Es sei unter anderem über Wirecard und die Sonderprüfung der KPMG gesprochen worden, ein Protokoll gebe es nicht. Seltsames Detail: War in der öffentlichen Antwort an die Parteien noch der 5. November als Datum des Gesprächs vermerkt, stand in den vertraulichen Unterlagen offenbar der 15. November.  

Der KPMG-Bericht war im April veröffentlicht worden und hatte Wirecard ein verheerendes Zeugnis ausgestellt.

Was genau Kukies mit Braun über die von Wirecard angestrengte Sonderprüfung durch KPMG gesprochen hat, wird den Berichten zufolge nicht dargelegt. Dennoch - oder gerade deshalb - wirft Kukies' Verhalten Fragen auf. Dass kein Protokoll geführt wurde bei dem Gespräch irritiert. Schließlich ging es um ein heikles Thema.  

Hat Kukies sich von Braun beruhigen lassen?

Zudem ist Kukies' Ministerium Dienstherrin der Finanzaufsicht Bafin, Kukies leitet den Verwaltungsrat. Der Behörde wird vorgeworfen, trotz der seit Jahren kursierenden Vorwürfe gegen Wirecards mutmaßliche Bilanzbetrügereien zu lax gegen den Konzern aus Aschheim bei München vorgegangen zu sein – auch nachdem Wirecard selbst KPMG mit der Sonderprüfung beauftragt hatte. Die Bafin hält dagegen, ihr hätten die nötigen Kompetenzen gefehlt.  

Was war der Anlass für das Gespräch zwischen Kukies und Braun? Hat Kukies sich von Braun beruhigen lassen? War er alarmiert und wollte sich persönlich beim Unternehmenschef über die Hintergründe der im Raum stehenden Vorwürfe erkundigen? Wenn ja, warum hatte das Gespräch dann keine weiteren Folgen?

Solche und ähnliche Fragen wird der Staatssekretär möglicherweise am Donnerstag beantworten müssen. Für den Abend ist eine Schalte mit Mitgliedern des Bundestags-Finanzausschusses angesetzt, bei der es nochmals um das Thema Wirecard gehen soll.  

ase/baz/gt
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