Umstrittener Zahlungsabwickler Wirecard kann Gewinn deutlich steigern

Zuletzt hat die Wirecard-Aktie durch die Berichterstattung über angebliche Verstöße gegen Bilanzregeln gelitten. Mit guten Zahlen kann das Unternehmen die Anleger zunächst besänftigen.

Wirecard-Stand auf der Gamescom (Archiv)
REUTERS

Wirecard-Stand auf der Gamescom (Archiv)


Der Zahlungsdienstleister Wirecard hat seinen Gewinn im abgelaufenen Jahr deutlich gesteigert. Unter dem Strich stand ein Nettoergebnis von 347,4 Millionen Euro und damit ein Anstieg von knapp 36 Prozent, teilte das Dax-Unternehmen in Aschheim bei München mit. Die Aktie legte im frühen Handel um zwei Prozent zu.

Das Unternehmen will die Dividende um zwei Cent auf 0,20 Euro je Aktie aufstocken. Gemessen am Aktienkurs von 134 Euro ist das nach wie vor eine sehr geringe Ausschüttung. Wirecard-Chef Markus Braun sagte wiederholt, dass das Unternehmen sein Geld lieber in Wachstum investiert.

Wirecard profitiert insbesondere vom boomenden Onlinehandel und den daraus resultierenden elektronischen Zahlungen bei Händlern. Das auf der Wirecard-Plattform abgewickelte Transaktionsvolumen kletterte um gut 37 Prozent auf 124,9 Milliarden Euro. Hiervon behält Wirecard Gebühren für die Abwicklung und Absicherung ein.

Prognose bestätigt

Der Umsatz stieg daher um gut 35,4 Prozent auf rund zwei Milliarden Euro, das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen wuchs um fast 37 Prozent auf 560,5 Millionen Euro, fiel damit aber etwas geringer aus als in den Eckdaten Ende Januar mitgeteilt. Die Prognose für das laufende Jahr, zwischen 740 und 800 Millionen Euro operativen Gewinn erwirtschaften zu wollen, behielt das Management bei.

Zuletzt stand der im September in den Dax aufgestiegene Zahlungsdienstleister wegen umstrittener Bilanzierungspraktiken im Fokus von "Financial Times"-Berichten, was die Aktie heftig durcheinanderwirbelte. Eine von Wirecard beauftragte Untersuchung einer Singapurer Anwaltskanzlei hat ergeben, dass Mitarbeiter in dem südostasiatischen Inselstaat tatsächlich gegen Bilanzregeln verstoßen haben - allerdings weniger gravierend, als von der Finanzzeitung berichtet.

Die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young (EY) haben bei ihrer Durchsicht des Geschäftsberichts von Wirecard keine Hinweise auf größere Unregelmäßigkeiten gefunden. EY erteilte dem Zahlungsdienstleister trotz der massiven Vorwürfe eines Mitarbeiters in Singapur ein uneingeschränktes Testat für das Jahr 2018. Das geht aus dem Geschäftsbericht hervor.

In der Zwischenzeit ist nicht nur die Börsenaufsicht eingeschritten: Auch die Münchner Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass es bei den Kursturbulenzen nicht mit rechten Dingen zuging. Beide Behörden ermitteln.

Wegen der heftigen Kursschwankungen hatte die Finanzaufsicht Bafin im Februar ein zweimonatiges Leerverkaufsverbot verhängt, das Ende vergangener Woche auslief. Am Mittwoch war dann bekannt geworden, dass der japanische Mischkonzern Softbank als Ankeraktionär bei Wirecard einsteigen wird, woraufhin der Aktienkurs deutlich anstieg.

brt/dpa-AFX/Reuters

insgesamt 2 Beiträge
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Deeds447 25.04.2019
1. Gewinn je Aktie
wurde im Artikel leider ausgelassen, denn der ist stark eingebrochen und interessiert für den Aktienkurs dann doch weit mehr als der langfristigere Umsatz
nice.person 25.04.2019
2. Gewinn je Aktie
Auch beim Ergebnis je Aktie gab es einen erfreulichen Anstieg, von 2,07 Euro auf 2,81 Euro. Quelle: https://www.finanztrends.info/wirecard-aktie-ergebnis-gibt-rueckenwind/
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