Prüfung der Geschäftszahlen Wirecard ohne Jahresabschluss - Aktie stürzt ab

Im Bilanzskandal um Wirecard verweigern die Rechnungsprüfer ihren Segen für den Jahresabschluss. Der Aktienkurs bricht um bis zu 60 Prozent ein. Das Unternehmen sieht sich nun als Opfer eines "gigantischen Betrugs".
Wirecard-Unternehmenssitz in Aschheim (Archivbild)

Wirecard-Unternehmenssitz in Aschheim (Archivbild)

Foto: Michael Dalder/ REUTERS

Der Finanzkrimi um den Zahlungsanbieter Wirecard spitzt sich dramatisch zu. Unmittelbar vor der geplanten Veröffentlichung seines lange erwarteten Jahresabschlusses 2019 hat das Unternehmen die Vorlage erneut verschoben. Der Abschlussprüfer EY habe Wirecard darüber informiert, dass es über die Existenz von im Konzernabschluss zu konsolidierenden Bankguthaben auf Treuhandkonten in Höhe von 1,9 Milliarden Euro keine ausreichenden Prüfungsnachweise gebe, teilte Wirecard am Donnerstag mit.

Der Konzern will nun Strafanzeige gegen unbekannt erstatten. Das Unternehmen sieht sich laut einem Sprecher als mögliches Opfer eines "gigantischen Betrugs": Es gebe Hinweise, dass dem Abschlussprüfer von einem Treuhänder oder aus dem Bereich von Banken, die die Treuhandkonten führen, "unrichtige Saldenbestätigungen zu Täuschungszwecken vorgelegt wurden".

Die Börsen reagierten heftig auf die neuen Hiobsbotschaften: Der Aktienkurs von Wirecard brach zwischenzeitlich um rund 60 Prozent ein und fiel auf das Niveau von 2016. Die Aktie wurde zeitweise vom Handel ausgesetzt.

Die Summe von 1,9 Milliarden Euro entspricht demnach etwa einem Viertel der Konzernbilanzsumme. Der Vorstand arbeite mit Hochdruck daran, den Sachverhalt in Abstimmung mit dem Prüfer weiter aufzuklären, heißt es von Wirecard.

Kredite in Gefahr

Die Zeit drängt: Sollte der Konzern bis Freitag (19. Juni) keinen testierten Abschluss vorlegen, könnten Kredite der Wirecard AG in Höhe von etwa zwei Milliarden Euro gekündigt werden, warnte das Unternehmen.

Wirecard sieht sich seit Jahren in Medienberichten Vorwürfen der Bilanzfälschung ausgesetzt, hatte diese jedoch bislang immer bestritten. Eine Sonderprüfung durch KPMG sollte die Vorwürfe aus dem Weg räumen, die KPMG-Prüfer konnten jedoch einige nicht entkräften. Die Staatsanwaltschaft München ermittelt darüber hinaus gegen Firmenchef Markus Braun und die drei anderen Vorstände wegen des Verdachts auf Marktmanipulation.

mamk/Reuters/dpa
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