Spanische Großbank Santander kauft Wirecards Kerngeschäft

Der Ausverkauf bei Wirecard geht weiter. Santander soll für das europäische Kerngeschäft wohl 100 Millionen Euro zahlen. Der Insolvenzverwalter scheint zufrieden: Ein Großteil der Mitarbeiter wird ihm zufolge übernommen.
Wirecard-Standort in Aschheim

Wirecard-Standort in Aschheim

Foto: Alexander Pohl / Alto Press / imago images/Alexander Pohl

Die spanische Großbank Santander hat das europäische Kerngeschäft des Zahlungsdienstleisters Wirecard gekauft. Banco Santander werde die Technologieplattform in Europa sowie alle dafür notwendigen Vermögenswerte übernehmen, schrieb Wirecards Insolvenzverwalter Michael Jaffé in einer Pressemitteilung. Die »Süddeutsche Zeitung«  und das »Handelsblatt«  berichteten, Santander zahle rund 100 Millionen Euro. Insgesamt soll Jaffé bislang Teile des Konzerns für 500 Millionen Euro verkauft haben, Wirecard schuldet Banken und Investoren laut »Süddeutscher Zeitung« 3,2 Milliarden Euro.

Der Großteil aller verbliebenen Wirecard-Mitarbeiter solle im Geschäftsbereich Acquiring & Issuing Teil des globalen Händlerservice-Teams von Santander bleiben, so Jaffé. Dies gelte auch für die Mehrzahl der Mitarbeiter der Wirecard Bank AG, die nach dem Verkauf geordnet heruntergefahren werden soll. »SZ« und »Handelsblatt« berichteten, Santander übernehme etwa 500 Mitarbeiter.

»Wir haben damit auch den Investorenprozess für das Wirecard-Kerngeschäft trotz ungünstigster Voraussetzungen erfolgreich abschließen können«, schrieb Jaffé. Die Skandalmeldungen rund um den Milliardenbetrug bei Wirecard hätten für Schwierigkeiten gesorgt, so Jaffé. Er zeigte sich aber zufrieden: »Besonders erfreulich ist, dass das Ergebnis den Mitarbeiter*innen wieder eine positive Perspektive bietet.«

Jaffé hatte unlängst angekündigt, er wolle, dass möglichst viele der restlichen knapp 600 Mitarbeiter bleiben könnten. Am Montag teilte der Insolvenzverwalter mit, es sei eine bestmögliche Lösung für die Mitarbeiter und die Gläubiger gefunden worden.

Gläubigerversammlung am Mittwoch

Eine Entscheidung war in diesen Tagen erwartet worden, da für Mittwoch die erste Gläubigerversammlung bei Wirecard angesetzt ist. Dort könnte Jaffé die Ergebnisse präsentieren. Für ihn geht es darum, durch Verkäufe so viel Geld wie möglich einzunehmen, um die Gläubiger wenigstens zum Teil für ihre milliardenschweren Verluste zu entschädigen. Die Wirecard-Töchter in Brasilien, Rumänien und den USA sind bereits verkauft.

Zuletzt war neben Santander auch der britische Telekomanbieter Lycamobile als Interessent gehandelt worden. Die nun mit Santander vereinbarte Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt der kartellrechtlichen Genehmigung und bestimmter anderer Bedingungen. Sie werde voraussichtlich bis Ende des Jahres abgeschlossen, so Jaffé. Da auch die Wirecard Bank Teil des zum Verkauf stehenden Pakets ist, hat auch die Finanzaufsicht Bafin ein Wort mitzureden.

ptz/Reuters