Nach Wirecard-Skandal EU-Kommission will Wirtschaftsprüfer womöglich stärker haften lassen

Nach den Pannen bei der Kontrolle von Wirecard diskutiert Brüssel eine »ausreichend hohe oder gar unbegrenzte Haftung der Rechnungsprüfer«. So sollen Kompromisse bei den Abschlüssen verhindert werden.
Büros der Berater und Prüfer von EY: Zeichneten im Wirecard-Skandal ein ganzes Jahrzehnt lang gefakte Bilanzen

Büros der Berater und Prüfer von EY: Zeichneten im Wirecard-Skandal ein ganzes Jahrzehnt lang gefakte Bilanzen

Foto: ARND WIEGMANN / REUTERS

Die Wirecard-Affäre ließ die Wirtschaftsprüfer von EY schlecht aussehen. Doch damit nicht genug: Nun könnten auf das Unternehmen sowie auf die anderen Prüfgesellschaften – zu den Branchenriesen zählen noch KPMG, Deloitte und PwC – schärfere Haftungsregeln zukommen.

»Ausreichend hohe oder gar unbegrenzte Haftung der Rechnungsprüfer können Anreize bieten, um zu verhindern, dass in Abschlussprüfungen Kompromisse gemacht werden, die für qualitativ schlechtere Prüfungen sorgen«, heißt es in einem Diskussionspapier der EU-Kommission als Konsequenz aus dem Wirecard-Skandal, über das als Erstes die »Welt« berichtete.

Das Papier beschreibt mögliche Versäumnisse der Aufsichtsbehörden und stellt Konsequenzen zur Debatte. In dem Kommissionspapier wird bemängelt, dass »Vertraulichkeitsregeln in Deutschland die Entdeckung und Untersuchung der Verletzung von Buchhaltungsstandards negativ beeinflusst haben könnten«.

Besserer Austausch der Behörden gefordert

Die europäische Aufsicht ESMA kritisierte laut Papier zudem Schwierigkeiten bei der Zusammenarbeit der Finanzaufsicht Bafin, der Deutschen Prüfstelle für Rechnungslegung und der deutschen Abschlussprüferaufsichtsstelle APAS. Künftig könnte im EU-Recht explizit festgehalten werden, dass Informationsaustausch zuständiger nationaler Behörden kein Bruch professioneller Vertraulichkeit darstellt, heißt es.

Der frühere Dax-Konzern Wirecard hatte im Juni 2020 Luftbuchungen von 1,9 Milliarden Euro eingeräumt – insgesamt könnte es nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft um mehr als drei Milliarden Euro gehen. EY hatte jahrelang die Wirecard-Bilanzen geprüft und dies nicht bemerkt, unter anderem die Commerzbank, die Fondsgesellschaft DWS, die KfW-Bank sowie mutmaßlich auch die Telekom entzogen den Prüfern daraufhin das Mandat. Weil der – laut Staatsanwaltschaft München – umfassende Betrug jahrelang unentdeckt blieb, steht unter anderem die Bafin in der Kritik, deren Beschäftigte teilweise ausgiebig mit Aktien von Wirecard spekulierten, obwohl sie den Konzern eigentlich überwachen sollten.

Der CSU-Europaabgeordnete und Finanzexperte Markus Ferber sieht indes zumindest seitens der EU keine systemischen Defizite: »Im Wirecard-Fall hat die Bafin versagt, nicht die europäische Ebene.«

apr/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.