Wirecard-Skandal Finanzaufsicht zeigt Mitarbeiter wegen Insiderhandel an

Besser spät als nie? Seit Monaten steht die Finanzaufsicht Bafin in der Kritik, weil einige Mitarbeiter mit Papieren des Skandalkonzerns Wirecard zockten. Nun soll das für einen juristische Konsequenzen haben.
Bafin-Sitz in Frankfurt am Main

Bafin-Sitz in Frankfurt am Main

Foto: Boris Roessler/ DPA

Wer früher als andere von Problemen bei börsennotierten Konzernen erfährt, kann daraus Kapital schlagen. Allerdings sind solche Aktiendeals Insidern untersagt, die kraft ihrer Stellung an solche Kenntnisse gelangen können. Das gilt vor allen Dingen für Mitarbeiter der betroffenen Firmen selbst – und auch der Aufsichtsbehörden.

Bei der Finanzaufsicht Bafin allerdings ist es offenbar im Wirecard-Skandal genau zu solchen Insidergeschäften gekommen. Jedenfalls hat die Bafin nun wegen des Verdachts des Insiderhandels mit Papieren rund um den insolventen Konzern einen Mitarbeiter angezeigt, bei der Staatsanwaltschaft Stuttgart.

Der Beschäftigte der Wertpapieraufsicht habe am 17. Juni 2020 sogenannte strukturierte Produkte mit Bezug zur Wirecard AG verkauft, teilte die Behörde mit. Einen Tag nach dem Wertpapiergeschäft des Mitarbeiters hatte der frühere Dax-Konzern Luftbuchungen von 1,9 Milliarden Euro eingeräumt.

Die Finanzaufsicht entdeckte den Verdacht gegen den Mitarbeiter nach eigenen Angaben im Rahmen einer Sonderauswertung. Der Beschäftigte sei sofort freigestellt worden. Gegen ihn sei ein Disziplinarverfahren eröffnet worden, teilte die Bafin mit.

Bafin in der Kritik

Die Aufsicht hatte zuletzt private Börsengeschäfte ihrer Mitarbeiter überprüft, bei denen der Kurs der Wirecard AG eine Rolle spielte, zum Beispiel Kauf oder Verkauf von Aktien des Unternehmens. Zudem wurden Bafin-Beschäftigten spekulative Finanzgeschäfte untersagt, also das kurzfristige Handeln beispielsweise mit Aktien. »Wir hatten ein Compliance-System, das den gesetzlichen Vorgaben entsprach, aber nicht mehr zeitgemäß ist und deshalb zu Recht verändert wird«, hatte Bafin-Chef Felix Hufeld in einem Interview gesagt.

Der frühere Dax-Konzern Wirecard hatte im Juni Luftbuchungen von 1,9 Milliarden Euro eingeräumt und in der Folge Insolvenz angemeldet – insgesamt könnte es nach Ermittlungen der Münchner Staatsanwaltschaft um mehr als drei Milliarden Euro gehen. Weil dies jahrelang unentdeckt blieb, steht unter die Bafin ebenfalls in der Kritik.

beb/dpa
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