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19. Juli 2019, 07:41 Uhr

Umstrittener Finanzkonzern

Wirecard wird Kartenzahlungen in Aldi-Märkten abwickeln

Zuletzt hat Wirecard durch Berichte über angebliche Verstöße gegen Bilanzregeln stark gelitten. Doch jetzt zieht das Unternehmen einen neuen Großkunden an Land.

Der Zahlungsabwickler Wirecard übernimmt in den deutschen Filialen der Aldi-Gruppe künftig einen Teil der Kartenzahlungen. Wirecard sowie Aldi Nord und Aldi Süd haben eine Absichtserklärung unterzeichnet, um im bargeldlosen Zahlungsverkehr zusammenzuarbeiten, teilte der Dax-Konzern mit.

Künftig wollen demnach Aldi Nord und Aldi Süd alle Zahlungen mit Kreditkarten sowie mit internationalen Debit-Karten in ihren deutschen Läden über Wirecard abrechnen. Die mehrheitlich von Sparkassen und Volksbanken ausgegebenen Girocard-Karten (ehemals EC-Karten) gehören nicht dazu.

Wirecard machte keine Angaben, wie groß der Deal für das Unternehmen ist. Branchenkreise gehen aber von einem "gewichtigen neuen Kunden" für Wirecard aus.

Der Konzern hat insgesamt nach jüngsten Angaben 280.000 überwiegend kleine Händler an die eigene Plattform angeschlossen. Wirecard verdient sein Geld damit, dass es von den abgewickelten Transaktionen eine Gebühr einbehält, die laut Vorstandschef Markus Braun im Schnitt zwischen 1,4 und 1,7 Prozent liegt.

Erst an diesem Donnerstag war bekanntgeworden, dass Wirecard künftig auch für den Online-Gebrauchtwagenhändler Auto1 (Wirkaufendeinauto.de) Finanzierungsangebote für Händler und Verbraucher entwickelt. "Wir sind zuversichtlich, dass wir mit Wirecard unser globales Geschäft über Europa hinaus mit hohem Tempo weiter vorantreiben können, indem wir unseren verschiedenen Kundengruppen individuelle digitale Finanzlösungen anbieten", sagte Auto1-Mitgründer und Co-Chef Hakan Koc.

Im Frühjahr war Softbank mit 900 Millionen Euro bei Wirecard eingestiegen. Beide Seiten verkündeten eine strategische Partnerschaft. Die Zusammenarbeit von Wirecard und Auto1 ist nun das erste konkrete Projekt. Die rund eine Million Privatkunden, die Auto1 inzwischen in 30 Ländern zählt, sollen die Zahlungs- und Bank-Plattform von Wirecard für Finanzdienstleistungen nutzen können.

Berichte in der "Financial Times" zu Untersuchungen rund um fehlerhafte Buchungen einer Konzerntochter in Singapur hatten Ende Februar einen deutlichen Kursverlust der Wirecard-Aktie von fast der Hälfte innerhalb weniger Tage zur Folge. Die Konzernspitze wiegelte zunächst ab, musste letztlich aber Fehler und "Qualitätsmängel" in der Buchhaltung einräumen - wenn auch in geringerer Höhe als in den "FT"-Berichten suggeriert. Auch in der Bilanz musste der Konzern kleinere Korrekturen vornehmen.

hej/dpa

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