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Skandale Wirecard-Wirtschaftsprüfer EY verliert wichtige Mitarbeiter

aus DER SPIEGEL 40/2021

Christian Muth, ehemaliger Chef des Forensikteams beim Wirtschaftsprüfer EY, sowie mehr als zehn seiner Mitarbeiter verlassen das Unternehmen in den nächsten Wochen. Er wechselt zum Rivalen PwC (SPIEGEL 25/2021 ) und nimmt nach SPIEGEL-Informationen zahlreiche Kollegen mit.

Aus: DER SPIEGEL 40/2021

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Für EY ist das ein harter Schlag, Muth war einer der profiliertesten Forensiker der Branche. Forensiker werten öffentlich zugängliche Infor­mationen sowie E-Mails und Datenbanken von Unternehmen aus und interviewen deren Mitarbeiter, um Ungereimtheiten oder Straftaten auf die Spur zu kommen. Muths Forensikteam ging vom Frühsommer 2016 an Betrugshinweisen bei Wirecard nach: Topmanager des Skandalkonzerns sollen sich bei einer Übernahme in Indien in die eigene Tasche gewirtschaftet haben.
Wirecard hatte die Sonderuntersuchung durch EY zwar initiiert, sie jedoch behindert und verschleppt. Der damalige Wirecard-Finanzvorstand soll Muth sogar aufgefordert haben, den Zwischenstandsbericht von EY in mehreren Punkten ab­zuschwächen. Trotz zahlreicher Hinweise auf Scheinumsätze sowie Muths Nachforschungen winkten seine Bilanzprüferkollegen Wirecards Jahresabschluss nach anfänglichem Widerstand durch – wieso ist bis heute unklar.
Chefforensiker Muth war stinksauer, schließlich hatte sein Team die Betrugshinweise aufgespürt. Wirecard konnte weiter Scheinumsätze buchen, bis zum Kollaps 2020. Entsprechend groß ist der Rufschaden für EY. Das Unternehmen kündigte an, sein Forensikteam wieder auffüllen zu wollen, um angesichts »der stetig wachsenden Nachfrage am Markt« auch künftig gut aufgestellt zu sein.

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