"Heben Sie den Lockdown auf" Wirtschaft dringt auf Lockerung der Corona-Beschränkungen

Die deutsche Wirtschaft leidet unter den Maßnahmen zur Corona-Bekämpfung. Verbände fordern ein baldiges Ende und eine klare Perspektive von Kanzlerin Angela Merkel.
Ein Stahlarbeiter steht in einem Hochofen von Deutschlands größtem Stahlwerk in Duisburg

Ein Stahlarbeiter steht in einem Hochofen von Deutschlands größtem Stahlwerk in Duisburg

Foto: Wolfgang Rattay/ REUTERS

Wirtschaftsverbände haben Bund und Länder aufgerufen, zügig eine Exitstrategie für die Beschränkungen in der Coronakrise vorzulegen. Der Präsident des Bundesverbands der deutschen Industrie (BDI), Dieter Kempf, forderte im Interview mit den Zeitungen der Funke Mediengruppe einen verbindlichen Planungshorizont. "Unsere Unternehmen wollen und müssen wissen, in welchen Stufen das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben wieder anlaufen soll - und zwar nach dem Treffen der Bundeskanzlerin mit den Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten am 6. Mai."

Die Politik müsse kontinuierlich daran arbeiten, den Wiedereinstieg so schnell und so verlässlich sicherzustellen, wie es möglich sei. Sollten die Kontaktsperren weiter verlängert werden, seien massive Wohlstandsverluste und ein dauerhafter Schaden in Wirtschaft und Gesellschaft zu befürchten. "Jede Woche eines Shutdowns kostet die deutsche Volkswirtschaft einen mittleren zweistelligen Milliardenbetrag an Wertschöpfung", so BDI-Chef Kempf.

"Heben Sie den Lockdown auf, bevor es zu spät ist!"

Offener Brief des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft an Kanzlerin Angela Merkel

Der Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) forderte, die Beschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie noch im Mai zu beenden. "Heben Sie den Lockdown auf, bevor es zu spät ist!", heißt es nach Verbandsangaben in einem offenen Brief der Spitze um BVMW-Präsident Mario Ohoven an Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Es sei verantwortungslos, dass die Politik keinen Ausstiegsfahrplan vorgelegt habe. "Trotz eines staatlichen Rettungspakets von mehr als einer Billion Euro droht eine Pleitewelle unbekannten Ausmaßes, die die Existenz Hunderttausender Menschen binnen weniger Wochen vernichten könnte."

Die Spitze des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) sieht die Notwendigkeit, wieder in einen Modus zu kommen, "in dem Tätigkeit die Regel wird und nicht Stillstand". Das schrieben DIHK-Präsident Eric Schweitzer und Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben in einem internen Brief, aus dem die Deutsche Presse-Agentur zitiert. "Auch im politischen Berlin sowie in den Landeshauptstädten wächst die Erkenntnis, dass ein längerer Shutdown noch dramatischere Probleme mit sich bringt."

"Wenn in Rosenheim die Ansteckungen steigen sollten, muss das nicht unbedingt zur Folge haben, dass in Bremen die Geschäfte schließen"

Spitze des Deutschen Industrie- und Handelskammertags

Dass es trotz der gemeinsamen Beschlüsse in einigen Bundesländern doch eine schnellere Umsetzung von Lockerungen gibt, verteidigt der DIHK. "Es kann durchaus ein Weg aus der Krise sein, auf regionale Besonderheiten Rücksicht zu nehmen. Wenn in Rosenheim die Ansteckungen steigen sollten, muss das nicht unbedingt zur Folge haben, dass in Bremen die Geschäfte schließen", betont die Führungsspitze.

Die Bundesregierung rechnet für das Jahr 2020 mit dem stärksten Einbruch der Wirtschaftsleistung seit der Gründung der Bundesrepublik: Das Bruttoinlandsprodukt werde voraussichtlich um 6,3 Prozent sinken. Am 20. April hatte es die ersten Lockerungen der Corona-Beschränkungen gegeben, etwa die teilweise Öffnung von Geschäften. Am vergangenen Mittwoch hatten Bund und Länder dann vereinbart, Spielplätze, Zoos, Museen und Ausstellungen zu öffnen und Gottesdienste wieder zu erlauben. Am kommenden Mittwoch treffen sich die Regierungschefs erneut zu Beratungen.

ply/dpa/afp
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