Apples von morgen Vor diesen zehn Firmen müssen sich Europas Konzerne fürchten

Jung, aggressiv, aufstrebend: Unternehmen aus Schwellenländern greifen die etablierten europäischen Konzerne an. Eine neue Studie hat die gefährlichsten Herausforderer ausfindig gemacht.

Filmwerbung für Turkish Airlines
Turkish Airlines

Filmwerbung für Turkish Airlines

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Das Muskelspiel wirkt. In den Spots für den Superheldenfilm "Batman vs. Superman" prangt zum Filmstart im Frühjahr das Logo von Turkish Airlines. Es scheint, als nutze der Sponsor den Hollywood-Streifen als Botschaft an die Konkurrenz. Die Fluglinie hat sich zum Schrecken der Branche aufgeschwungen: mit rasant steigenden Passagierzahlen, einem breitgefächerten Flugnetz und neuerdings mehr als einer Milliarde Dollar Gewinn.

Konzernchef Temel Kotil nimmt vor allem Deutschland im Visier - und gewinnt dort immer häufiger gegen den Erzrivalen Lufthansa. Selbst bei der Fußball-EM: Dort ist Turkish Airlines bei allen Spielen zu sehen, die Flieger sind als offizieller Partner beflaggt. Lufthansa bleibt als DFB-Sponsor allein auf die Deutsche Mannschaft beschränkt.

Der Kampf Turkish Airlines gegen Lufthansa ist symptomatisch. Ambitionierte Aufsteiger ringen den führenden Konzernen in vielen Branchen Kunden ab. Halten sie ihren aggressiven Kurs, werden sie schon bald zu den wichtigsten Marken der Welt gehören.

Die Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) hat in einer groß angelegten Analyse 100 globale Herausforderer identifiziert - und zehn herausgefiltert, die vor allem den europäischen Konzernen gefährlich werden könnten. Die Ergebnisse lagen SPIEGEL ONLINE vorab vor.

Starke Angreifer: vom Weinkonzern bis zum Autobauer

Die Herausforderer nutzen unterschiedliche Strategien für ihre Angriffe: Sie gehen in Europa auf Shoppingtour wie der chinesische Chemiekonzern ChemChina und Südafrikas Pharmafirma Aspen Pharma, überrunden ihre europäische Konkurrenz wie der chilenische Weinkonzern Concha y Toro, nutzen starke Trends wie Brasiliens Naturkosmetikfirma Natura oder profitieren von den Stärken westlicher Marken wie Chinas Autokonzern Geely, der Schwedens Volvo in Fahrt brachte und nun mit dem Uhrenhersteller Swatch zusammenarbeitet.

Zwischen 2009 und 2014 sind die Herausforderer laut BCG dreimal so schnell gewachsen wie ihre Mitbewerber in reifen Märkten. "Für diese Rising Stars der aufstrebenden Märkte ist es nur eine Frage der Zeit, wann sie die Grenzen der Heimatmärkte überschreiten", sagt Studienmitautor Michael Meyer, Partner im BCG-Büro Singapur. "Das ist der Moment, in dem sie globale Herausforderer werden." Sie haben in fast zehn Jahren ihren Anteil am weltweiten Umsatz von 236 Milliarden auf 944 Milliarden Dollar vervierfacht.

Wer sind die Apples von morgen? Was macht sie so erfolgreich?

Zehn Top-Herausforderer für Europas Konzerne:


Petronas (Malaysia)


Die riesigen Petronas Towers in Kuala Lumpur sind zum Symbol des malayischen Mineralölkonzerns geworden: Er macht sich bereit zum Sprung an die Weltspitze. Das Sponsoring des Formel-1-Teams von Mercedes Benz macht Petronas bekannt - auch als Ziel für Kritik.


ChemChina (China)


Chinas Staatskonzern greift in Europa nach Schätzen: Der geplante Kauf des Schweizer Pflanzenschutz-Weltmarktführers Syngenta brächte die Chinesen in die Topliga der Branche. Schon Pirelli und Krauss Maffei gingen an ChemChina, und der Konzern will mehr.


Alibaba (China)


Der chinesische Amazon-Rivale legt beeindruckende Wachstumszahlen vor und drängt mit neuen Geschäftsmodellen nach Europa. Über die neue Website AliExpress will der Onlinehändler seine Erfolge wiederholen.


Xiaomi (China)


Der am schnellsten wachsende Handyhersteller kommt aus China. Xiaomis Deal mit Microsoft gibt dem aufstrebenden Apple-Konkurrenten im Weltmarkt frischen Auftrieb.


Turkish Airlines (Türkei)


Mit rasantem Passagierwachstum, fast so vielen Zielen wie die Lufthansa und einem enormen Zuwachs der Frachtmengen bringt Turkish Airlines seine Rivalen gehörig unter Zugzwang.


Etihad (Abu Dhabi)


Mit üppigen Meilenprogrammen für Vielflieger und sehr günstigen Kosten an heimischen Flughäfen baut der arabische Konzern Etihad sein Geschäft derart schnell aus, dass Rivalen kaum hinterher kommen.


Geely (China)


Dem chinesischen Autobauer gelang, was viele nicht glauben wollten: Er brachte den schwedischen Pkw-Hersteller Volvo in Fahrt. Jetzt will Geely noch mehr.


Aspen Pharma (Südafrika)


Zur Apotheke Afrikas könnte der südafrikanische Generika-Hersteller Aspen Pharma werden. Mithilfe der kürzlich gekauften Anästhetika-Sparte von Astra-Zeneca wird Aspen Pharma zum echten Gegner der weltweiten Pharmagrößen - und drängt schon in Deutschland auf den Markt.


Natura (Brasilien)


Der nächste Body Shop könnte aus Brasilien kommen. Der Naturkosmetikhersteller Natura Cosmeticos nutzt die brasilianische Flora und Fauna für seine Produktlinien - und hat bereits einen Schritt nach Europa getan.


Concha y Toro (Chile)


Kaum bekannt und doch ein ganz Großer: Concha y Toro ist der Sprung zur Nummer vier der weltweit größten Weinproduzenten geglückt. In Großbritannien löste Südamerikas größter Weinbauer mit seiner wichtigsten Marke Casillero del Diablo starke Konkurrenten ab.



insgesamt 82 Beiträge
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Klugscheisser 28.06.2016
1. Kein Apple dabei
Wieder mal hat die Schlagzeile wenig mit dem Inhalt zu tun. Apple, ebenso wie Google, Amazon, Facebook, Microsoft,(Tesla)... ist durch bahnbrechende Innovation aus eigener Kraft zum Weltkonzern geworden. Welches der im Artikel aufgeführten Unternehmen hat denn ähnlich neuartige Produktkategorien entwickelt?
mmy 28.06.2016
2. Heimische Märkte
Das Problem das jedoch viele dieser aufstrebenden Konzerne haben, ist jedoch genau, dass sie auf heimischen Märkten groß geworden sind entweder durch miese Arbeits- oder Umweltbedingungen oder massive staatl. Subventionen. Gehen sie auf hiesige Märkte scheitern sie meist an den hohen gesetzl. Hürden (ich würde gerne mal ein Auto von Geely beim deutschen TÜV sehen ??) und wenn sie hier Partnerschaften eingehen why not
derdings123 28.06.2016
3.
Hmmmm.... ob da jetzt wirklich das "Apple von morgen" dabei ist? Chem China und Petronas sind natürlich Schwergewichte, aber wenn dann werden die eher GEs als Apples. Die anderen sind doch alle in Industrien, wo mit konventionellen Ansätzen nicht wirklich viel zu holen ist.
C. Goldbeck 28.06.2016
4. Das ist erst der Anfang
Diese Entwicklung ist erst einmal ausdrücklich zu begrüßen, denn Millionen Menschen rücken nun auf und der Wohlstand zieht auch in die einstig ärmeren Länder ein. Dieser Globalisierungsprozess lässt sich nicht stoppen, auch wenn das der klassische AfD-Wähler und Brexit-Befürworter nicht wahr haben will. Das ist Evolution. Passen wir (die erste Welt) uns an diese Veränderungen an und stellen uns den Herausforderungen, ergeben sich neue Möglichkeiten. Das Potential ist riesig. Verschhlafen wir hingegen die Veränderungen, vergeuden wir unsere Zeit mit nationalen Kleinkrämertum, Schotten wir uns ab, werden wir von diesen Veränderungen einfach hinweggefegt. Es gibt kein Naturgesetz, dass wir auf immer und Ewig die kreativen, dynamischen Hotspots dieser Welt bleiben. Hochkulturen gehen unter, so wie Arten und ganze Ökosysteme, die zu träge auf Veränderungen reagieren
hisch88 28.06.2016
5. Beispiel Lufthansa
... und die Gewerkschaften (z.B. Vereinigung Cockpit e.V.) tun alles dafür, daß die Angriffe auf die etablierten europäischen Konzerne auch reibungslos ablaufen.
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