Studie von Wirtschaftsprüfern 30 Prozent der Unternehmen von Wirtschaftskriminalität betroffen

Knapp jedes dritte Unternehmen in Deutschland ist in den vergangenen zwei Jahren Opfer von Wirtschaftskriminalität geworden. Große Unternehmen sind fast doppelt so häufig betroffen wie kleine.
Symbolbild Datendiebstahl

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Thomas Trutschel / Photothek via Getty Images

Wirtschaftskriminalität bleibt ein großes Problem deutscher Unternehmen. Fast jede dritte Firma ist in den vergangenen zwei Jahren Opfer davon geworden, wie aus einer Studie der Wirtschaftsprüfer KPMG unter 1000 Betrieben  hervorgeht. Große Unternehmen sind demnach mit 41 Prozent fast doppelt so häufig betroffen wie kleine Unternehmen (23 Prozent). 

Auch wenn mittlere und kleinere Unternehmen weniger häufig angegriffen würden, sollten diese jedoch nicht dem Trugschluss unterliegen, sie seien weniger gefährdet, sagte KPMG-Expertin Barbara Scheben. "Hier gibt es möglicherweise ein größeres Dunkelfeld, das nicht unterschätzt werden darf." 2018 klagten 32 Prozent über kriminelle Vorfälle.

Im Zuge der Digitalisierung sehen die meisten Firmen Missbrauch oder Diebstahl von Daten als größtes Risiko. Tatsächlich betroffen waren die Unternehmen jedoch am häufigsten von Diebstahl sowie Unterschlagung und Betrug und Untreue. Opfer von Datendiebstahl und -missbrauch kamen etwas seltener vor.

42 Prozent der betroffenen Unternehmen gaben zu Protokoll, dass sie einen Schaden zwischen 100.000 und 999.999 Euro erlitten hätten. Bei rund zehn Prozent der Unternehmen überstieg die Schadenshöhe eine Million Euro. 18 Prozent konnten bei der diesjährigen Umfrage nicht beziffern, wie viel Geld sie verloren haben. In der Studie aus dem Jahr 2018 war ihr Anteil um zwei Prozent niedriger. "Somit lässt sich der zuvor festgestellte Trend, dass Unternehmen vermehrt in der Lage sind, den Schaden zu beziffern und deliktspezifisch einzuordnen, nicht bestätigen", heißt es in der KPMG-Studie.

"Die Gefahr droht auch von innen"

Die Beteiligung externer Täter lag laut aktueller Studie bei 47 Prozent. In einem von zehn Fällen steckten externe und interne Täter unter einer Decke. KPMG zufolge sehen die Unternehmen Unachtsamkeit oder Nachlässigkeit mit 51 Prozent als den größten Faktor hinsichtlich wirtschaftskrimineller Vorfälle an. Ähnlich relevant seien fehlende oder mangelhafte Kontrollen (50 Prozent) sowie ein mangelndes Unrechtsbewusstsein (49 Prozent).

"Die Gefahr droht auch von innen", sagte Scheben. Darum sei es wichtig, durch gezielte, vorbeugende Maßnahmen wie Schulungen zur Sensibilisierung oder die klare Definition von Verhaltensgrundsätzen die Risiken zu minimieren. Rund 55 Prozent der Vorfälle werden durch Hinweise von Angehörigen des Unternehmens entdeckt. Dennoch gaben etwa 51 Prozent der Befragten auch an, dass eine Tat nur durch Zufall ans Licht gekommen sei.

Fliegt ein Vorfall auf, greift etwa jedes zweite Unternehmen zur Aufklärung oder Verfolgung von Tätern auf externe Experten zurück. Als positiv wertete KPMG, dass 96 Prozent der befragten Firmen in ihrem Umgang mit Wirtschaftskriminalität Verbesserungspotenzial sehen. Nur wer Schwächen erkenne und angehe, könne sich langfristig effektiv wappnen, erklärte Scheben. "Unternehmen erkennen dabei zunehmend einen Mehrwert in digitalen Compliance-Maßnahmen."

Für die Studie wurden die befragten Unternehmen in die Kategorien groß, mittel und klein eingeteilt. Unternehmen mit einem Umsatz von mehr als drei Milliarden Euro oder mit mehr als 500 Mitarbeitern gelten hierbei als groß. Als mittelgroß gelten hier Unternehmen mit einem Umsatz zwischen 250 Millionen und drei Milliarden Euro oder mit 101 bis 500 Mitarbeitern. Unternehmen, die diese Schwellenwerte nicht erreichen, gelten als klein.

apr/Reuters/dpa
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