Maue Aussichten Wirtschaftsweise senken Konjunkturprognose

Die dritte Coronawelle droht, der Sachverständigenrat hat auch deshalb seine Konjunkturerwartungen nach unten gesetzt. Die Regierungsberater rechnen für 2021 nun mit einem Wirtschaftswachstum von 3,1 Prozent.
Containerfrachter am Hamburger Hafen (Archivbild): Schlechte Aussichten für die Konjunktur

Containerfrachter am Hamburger Hafen (Archivbild): Schlechte Aussichten für die Konjunktur

Foto: Christian Charisius/ picture alliance / dpa

Die Aussichten sind schlechter als gedacht: Die deutsche Wirtschaft werde in diesem Jahr nur um 3,1 Prozent steigen, erklärte der Sachverständigenrat, der die Bundesregierung berät. Bisher hatten die vier Wirtschaftsweisen für 2021 noch 3,7 Prozent Wachstum erwartet, nach einem Wirtschaftseinbruch von 4,9 Prozent im Corona- und Rezessionsjahr 2020.

»Das größte Risiko für die Konjunktur in Deutschland stellt eine mögliche dritte Infektionswelle dar – und zwar dann, wenn sie zu Einschränkungen oder gar Betriebsschließungen in der Industrie führen würde«, sagte der Wirtschaftsweise Volker Wieland. Die Wirtschaft dürfte ihr Vorkrisenniveau zum Jahreswechsel 2021/22 erreichen und im nächsten Jahr um vier Prozent wachsen.

Die Ökonomen sind mit ihrer Prognose ein kleines bisschen optimistischer als die Bundesregierung, die 2021 mit 3,0 Prozent Wachstum rechnet. Die Experten halten die Wirtschaft trotz der Virus-Pandemie für recht robust. Vor allem die Industrieproduktion laufe vergleichsweise gut, da anders als im Frühjahr 2020 die internationalen Lieferketten bisher weitgehend intakt seien und die Nachfrage nach Waren aus Deutschland dank der Erholung der globalen Konjunktur steige.

»Im Gegensatz dazu ist die wirtschaftliche Lage bei den personennahen Dienstleistungen weiterhin sehr angespannt.« Deshalb dürfte das Bruttoinlandsprodukt im laufenden ersten Quartal um etwa zwei Prozent sinken, nach 0,3 Prozent Wachstum Ende 2020. Im Zuge der zu erwartenden Lockerungen dürfte sich die Lage in den nächsten Monaten dann bessern.

Die Volkswirte plädieren für verstärktes Impfen. »Damit Deutschland das EU-Ziel, 70 Prozent der erwachsenen Bevölkerung zu impfen, bis Ende September 2021 erreicht, muss die aktuelle Anzahl der täglichen Impfungen in den Impfzentren um 50 Prozent gesteigert werden«, sagte die Wirtschaftsweise Veronika Grimm. Zudem sollten dafür Haus- und Fachärzte einbezogen werden. Das Erreichen des Impfziels scheint jedoch eher zweifelhaft. Da die Bundesregierung das Impfen mit der Vakzine von AstraZeneca vorläufig ausgesetzt hat.

Nach dem Ausscheiden von Lars Feld gehören zum Rat nur noch Grimm, Monika Schnitzer, Achim Truger und seit 2013 als Dienstältester Wieland. Die vier müssen noch einen Chef oder eine Chefin aus ihren Reihen wählen. Gespräche dazu führten noch nicht zu einer Einigung. Vorsitzender des Gremiums war zuletzt Feld, der Ende Februar nach zehn Jahren und zwei Amtszeiten ausschied. CDU/CSU wollten ihm eine dritte Amtszeit gewähren, was die SPD aber blockierte.

mic/Reuters