Wladimir Litwinenko Putins Doktorvater ist jetzt Milliardär

Einst schrieb Putin bei ihm die Doktorarbeit: Wladimir Litwinenko, Rektor einer Sankt Petersburger Universität, hat es nun zum Dollar-Milliardär gebracht. Pikant: Die Dissertation seines berühmten Studenten war ein Plagiat.

Litwinenko (links neben Putin im Bild) bei einem Besuch des russischen Präsidenten
imago/ITAR-TASS

Litwinenko (links neben Putin im Bild) bei einem Besuch des russischen Präsidenten


Wladimir Litwinenkos ganzes Leben stand im Dienste der Wissenschaft. So steht es jedenfalls in der Biografie des Rektors der Bergbau-Universität im russischen Sankt Petersburg. Seit 1994 leitet er die staatliche Hochschule, davor war er acht Jahre Prorektor.

Wie die Moskauer Tageszeitung "Wedomosti" nun berichtet, verfügt Litwinenko allerdings nicht nur über reiche akademische Erfahrung - sondern auch über ein milliardenschweres Vermögen.

Der Universitätsrektor hatte im Laufe dieses Jahres seinen Anteil am russischen Düngemittelkonzern Phosagro auf knapp 19,35 Prozent erhöht (hier legt der Konzern seine Großaktionäre offen). Zum aktuellen Börsenwert und beim derzeitigen Rubel-Kurs ist das Aktienpaket laut "Wedomosti" 1,01 Milliarden Dollar wert.

Doktorarbeit: "Strategische Planung"

Litwinenko ist in Russland bekannt geworden, weil der spätere Präsident Wladimir Putin einst bei ihm seine Doktorarbeit geschrieben und verteidigt hat. Thema der Arbeit war "strategische Planung" im russischen Rohstoffsektor. Später kam heraus, dass 16 Seiten davon aus einem 20 Jahre zuvor veröffentlichten Buch amerikanischer Wissenschaftler übernommen waren.

Universitäts-Rektor Litwinenko soll den späteren Präsidenten Anfang der Neunzigerjahre kennengelernt haben. Putin war damals stellvertretender Bürgermeister von Sankt Petersburg. Im Jahr 2000 leitete Litwinenko die Sankt Petersburger Dependance von Putins Wahlkampfstab.

Wie genau Litwinenko den Grundstein seines Vermögens gelegt hat, ist nicht bekannt. Er sitzt seit Jahren im Aufsichtsrat des Unternehmens. Ab dem Jahr 2007 soll er fünf Prozent der Firmenanteile gehalten haben. Nach dem Börsengang von Phosagro an der Londoner Börse wurden Litwinenkos Anteile auf einen Wert von rund 400 Millionen Dollar taxiert. Seit 2013 hat er sich auf der Liste der reichsten Russen des Magazins "Forbes" von Position 197 auf Rang 122 vorgeschoben.

"Wedomosti" berichtet, Litwinenko habe Lobbyarbeit für Phosagro betrieben - und dabei seine guten Beziehungen zu Putin genutzt. So habe der Rektor 2010 in einem Brief an seinen ehemaligen Doktoranden - Putin war damals Premierminister - um Unterstützung der russischen Regierung für einen ambitionierten Fusionsplan geworben: Phosagro wollte damals den kanadischen Konkurrenten Potash kaufen. Daraus wurde allerdings nichts.

Die Bergbau-Universität ist bei russischen Spitzenpolitikern beliebt. Auch Putins ehemaliger Büroleiter Igor Setschin - heute Chef des Ölkonzerns Rosneft - hat dort seine Doktorarbeit geschrieben, ebenso wie Wiktor Subkow, bis 2012 stellvertretender Premierminister Russlands.

Russische Aktivisten weisen immer wieder darauf hin, dass zahlreiche Doktorarbeiten russischer Politiker zu großen Teilen Plagiate sind.

Mehr Hintergründe über Plagiate in Russland lesen Sie hier: "Der Fall Schavan hat uns angespornt"

beb

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insgesamt 62 Beiträge
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Seite 1
Zaunsfeld 24.07.2017
1.
Das wundert einen nicht. Putin ist ein Lügner. Dass auch seine Doktorarbeit eine Lüge ist und große Teile davon 1:1 aus Jahrzehnte älteren Büchern zusammenkopiert sind, passt gut zu seinem Lebenslauf. Fraglich ist tatsächlich auch, ob Putin seine Arbeit überhaupt selbst geschrieben hat. Genau wie bei unserem "Dr." Baron Münchhausen aus Bayern hat ein Vollzeitpolitiker (und der war Putin schon zu der Zeit, als er seine Doktorarbeit eingereicht hat) nämlich eigentlich gar keine Zeit, eine qualitativ hochwertige Doktorarbeit selbst zu schreiben, unabhängig von der Frage, ob er geistig dazu in der Lage wäre oder nicht.
sven2016 24.07.2017
2.
Tja, der Titel gehört dazu im Bereich der Spitzen-Macher, aber die Speerspitzen gesellschaftlicher Entwicklung haben natürlich weder Zeit noch Konzentration für wissenschaftliche Arbeit. Sehr verständlich :)
paula_f 24.07.2017
3. strategische Planung hat Putin aber verstanden
im Ergebnis war es dann aus Sicht der angewandten strategischen Planung erfolgreich.
Gerixxx 24.07.2017
4. Rücktritt!
Putin tut sich keinen Gefallen beim wissenschaftlichen Egotrip. Es wundert einen sowieso, wo denn die Zeit- und die Kenntnisse so en passant hergekommen sein sollen... Bei so viel Plagiat (obwohl er das Plagiat wohl nicht einmal selbst erledigen musste) gibt es nur eins: Rücktritt und Rückgabe/Aberkennung des Titels. Zumindest für mich etwas überraschend aber ist immer wieder, wie es im i.d.R. als völlig zensiert und kontrolliert dargestellten Medienbetrieb Russlands noch immer Zeitungen geben kann (und Wedomosti ist schon ein größeres Geschütz), die sich solcher Dinge annehmen - gewiss gibt es Nachteile oder Folgen - aber es scheint offenbar noch immer möglich....da bin ich mir bei manch unseren Alliierten wie Türkei und Saudi-Arabien gar nicht mal so sicher...
clemens_thury 24.07.2017
5. Na ja, der geht ja eh nicht mit seinem "Doktor" hausieren?
Sind die sowjetischen Regeln in den 70er Jahren überhaupt mit userem vergleichbar? Im Gegenteil, im Arbeiter und Bauernsowjetstaat war so ein Titel eher hinderlich? Ich hab, wie sie keiner wollte, einige Aktien von Google, Facebook und Apple gekauft und bin heute auch Milliardär?
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