WM-Fahnenhersteller Pinneberger erobert Südafrika

Ein farbenprächtiges Fahnenmeer gehört zur WM wie Fangesänge und Vuvuzela-Tröten. Das große Geschäft damit macht ausgerechnet ein kleiner Mittelständler aus dem norddeutschen Pinneberg: Die Firma versorgt ganz Südafrika mit Flaggen und Wimpeln.
Von Henning Zander
Deutsche Fans in Pretoria: Allein für die WM hätte sich das Geschäft nicht gelohnt

Deutsche Fans in Pretoria: Allein für die WM hätte sich das Geschäft nicht gelohnt

Foto: DDP

Als "Bafana Bafana" zum Eröffnungsspiel der Fußball-Weltmeisterschaft ins Stadion einzog, gab es kein Halten mehr. Mit Fangesängen und Vuvuzela-Dröhnen empfing die begeisterte Menge die südafrikanische Nationalmannschaft. Tausende Flaggen tauchten die Ränge in ein buntes Farbenmeer. Viele davon kommen vom Fahnenhersteller Fleck aus Pinneberg.

Schon vor vier Jahren stattete das Unternehmen, eine der größten Flaggenfabriken Europas, die Fußball-WM mit Fahnen und Wimpeln aus. 2010 soll nun das zweite Sommermärchen werden. Flaggen des Pinneberger Unternehmens wehen auf den Vorplätzen der WM-Stadien, auf den Fanmeilen, auf Straßen und Plätzen und auf vielen offiziellen Gebäuden. Allein die Fanflagge Südafrikas verkaufte sich innerhalb einer Woche rund 10.000-mal. Die WM entwickelt sich für das Unternehmen zur Erfolgsgeschichte.

Dabei sah es eine lange Zeit nicht danach aus. "Die ständige Kritik aus Deutschland an der Organisation und am Stadionbau hat sich sehr negativ ausgewirkt", sagt Fleck-Geschäftsführer Jörgen Vogt. Nur schleppend wollte der Absatz anlaufen.

Jetzt, mit Beginn der WM, ist das plötzlich anders. Von den Deutschen werde erwartet, selbst größte Aufträge innerhalb kürzester Zeit zu erledigen, erzählt Vogt. Schließlich seien sie ja die Experten. So gingen einige Großaufträge erst Mitte Mai dieses Jahres ein. Andere, längst besiegelte Vereinbarungen, lösten sich in Luft auf. So hatte das südafrikanische Bildungsministerium bei dem Unternehmen rund eine Million Fähnchen für Schulkinder bestellt. Doch anschließend fand sich niemand für die Verteilung in den Schulen. Fleck blieb auf ganzen Wagenladungen mit Wimpeln sitzen.

Veredelung erfolgt in Südafrika

"In solchen Situationen muss man improvisieren, Kleinunternehmer suchen, die den Vertrieb übernehmen", erinnert sich Vogt. Händler, die mit kleinen Ständen den Verkauf vom Straßenrand organisieren.

Die Stoffe der Flaggen werden in Deutschland hergestellt. Es sind speziell gewebte Polyester-Stoffe, auf die die Farben der Flaggen aufgedruckt werden. Aber nur diese ersten Arbeitsschritte erfolgen in Deutschland. Die Veredelung übernimmt anschließend ein Partnerunternehmen in Südafrika. "Die fertigen Flaggen zu exportieren, würde sich finanziell nicht lohnen", sagt Jörgen Vogt. Es ist einer der seltenen Fälle, in denen das Rohmaterial aus Europa stammt und die anspruchsvolleren Arbeitsschritte in Afrika vorgenommen werden.

Die Fabrikation in Südafrika ist ein wichtiger Schritt, verkaufen sich doch Produkte mit dem Logo "proudly south african" im Heimatland besonders gut. Um in Südafrika Geschäfte zu machen, ist außerdem ein gutes Scoring nach dem Black Economic Empowerment (BEE) wichtig. Danach wird die Integration von Schwarzen in Unternehmen beurteilt. Sie bestimmt zum Teil die Vergabe von staatlichen Aufträgen. Fahnen Fleck hat aus diesem Grund eine Tochterfirma in Südafrika gegründet, die zu 51 Prozent einem schwarzen Partner gehört.

Afrikanischer Markt im Visier

Wenn es allein um die WM ginge, hätte Fahnen Fleck die Investitionen in Südafrika wohl kaum auf sich genommen. "Südafrika ist eine dynamische Wirtschaft mit einer breiten schwarzen Mittelschicht", erklärt Vogt. "Das ist für uns ein sehr interessanter Markt." Schließlich brauchen auch Firmen Fahnen und Flaggen, um sich mit Außenwerbung darzustellen. Vor allem davon lebt das deutsche Unternehmen. Großevents wie die Fußball-WM sind wichtig, um den Einstieg in den Markt zu finden. Aber eine nachhaltige Entwicklung garantieren sie nicht.

Genau darauf aber legt die Firma Wert, die auf 128 Jahre Geschichte zurückblicken kann. 1882 begann die Unternehmensgründerin Maria Fleck damit, die Hamburger Kaufmannschaft mit Stickereien und Monogrammen zu versorgen. Bald darauf folgten die ersten Flaggen für die Schiffe der Reedereien im Hamburger Hafen.

Es ist gar nicht so einfach, diese Kontinuität zu gewährleisten. In guten Jahren liegt der Umsatz bei rund sieben Millionen Euro. Doch 2009 brachen die Einnahmen um fast 50 Prozent ein, die 60 Mitarbeiter in Pinneberg mussten in Kurzarbeit geschickt werden. Nun gibt die WM Hoffnung. Auch die Konjunktur zieht wieder an.

Und noch eine andere Entwicklung kommt Fahnenfleck gelegen. "Vor 2006 wurden Deutschland-Flaggen nur ganz verschämt gekauft. Das änderte sich mit dem WM-Spiel gegen Polen schlagartig", sagt Vogt. Die deutsche Nationalmannschaft gewann mit eins zu null, es war der Beginn des Sommermärchens.

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