Traditionshersteller WMF verkündet Aus für Kochtopf-Fertigung im Stammwerk

WMF ist die Abkürzung für Württembergische Metallwarenfabrik - doch die berühmten Kochtöpfe werden künftig nicht mehr im Geislinger Stammwerk gefertigt. Zudem sollen 400 von 6000 Arbeitsplätzen wegfallen.

Fertigung im WMF-Stammwerk in Geislingen (2010): "Andere Standorte des Unternehmens in Europa"
Uwe Anspach/DPA

Fertigung im WMF-Stammwerk in Geislingen (2010): "Andere Standorte des Unternehmens in Europa"


Im Jahr 1853 wurde in Geislingen die Metallwarenfabrik "Straub & Schweizer" gegründet, aus der später die WMF wurde. Noch immer hat das Traditionsunternehmen in dem württembergischen Ort seinen Sitz - doch die berühmtem Edelstahlkochtöpfe werden bald schon nicht mehr dort gefertigt: Rund drei Jahre nach der Übernahme der WMF hat die französische Groupe SEB die Einstellung der Produktion von Edelstahlkochtöpfen in Baden-Württemberg angekündigt. Zudem sollen rund 400 der insgesamt 6200 weltweiten Arbeitsplätze abgebaut werden.

Die Fertigung am Standort Geislingen an der Steige sei defizitär, heißt es in einervon WMF verbreiteten SEB-Mitteilung. Im Zuge eines Programms mit dem Titel "Agenda 21" zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit von WMF solle "die Fertigung von Edelstahlkochgeschirr in Geislingen bis Ende des Jahres 2020 an andere Standorte des Unternehmens in Europa verlagert" werden.

WMF-Stammwerk in Geislingen
Uwe Anspach/DPA

WMF-Stammwerk in Geislingen

Welche Länder dafür in Frage kommen, sagte ein Firmensprecher nicht. Erst in den nächsten Wochen sollen demnach konkrete Absprachen und Entscheidungen dazu sowie über den gleichzeitig laut SEB-Mitteilung geplanten Abbau von 400 Arbeitsplätzen getroffen werden.

Im Januar war das historische Warenarchiv der WMF mit mehr als 11.000 Einzelstücken zum Kulturdenkmal ernannt worden.

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Aufnahme ins Denkmalbuch: Kuchengabeln als Kulturdenkmal

SEB hatte den deutschen Küchengerätehersteller im Mai 2016 von den Finanzinvestoren Kohlberg Kravis Roberts (KKR) für mehr als 1,5 Milliarden Euro gekauft. Der französische Konzern ist bekannt für Marken wie Moulinex oder Krups. Die Gruppe wurde eigenen Angaben zufolge mit der Übernahme von WMF zum Weltmarktführer bei gewerblichen Kaffeevollautomaten und zu einem der größten Anbieter für Küchenausstattung. Der schwäbische Kaffeemaschinen-, Topf- Besteck- und Küchengerätehersteller war zuvor in Turbulenzen geraten und hatte sich ein striktes Sparprogramm auferlegt.

fdi/dpa

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karlsiegfried 11.07.2019
1. Ist doch logisch
Wenn ich zuzahlen muss, lasse ich die Finger davon und jeder Unternehmer auch. Das ist doch auch der Sinn der Globaliserung, wie sie gelebt wird. Immer dorthin, wo eine Arbeitsstunde nur wenige Cent kostet. Das ist doch nicht verboten.
karlo1952 11.07.2019
2. Das war abzusehen
bei der weltweiten Vernetzung von SEB und auch in Europa. Das müssen keine Billiglohnländer sein, sondern es reicht, wenn die Arbeitsstunde 50 Cent weniger kostet. Deswegen geht die Welt und WMF nicht unter.
53er 11.07.2019
3. Die Investoren nutzen die Gelegenheit
und kommen wieder aus ihren selbst gegrabenen Löchern. Die Zeit ist günstig um Entlassungen zu verkünden, egal ob sie wirklich notwendig sind oder nicht. WMF ist ein Paradebeispiel, wie man durch völlig falsches Management ein Qualitätsunternehmen so richtig mit Schmackes an die Wand fahren kann. Das was WMF heute verkauft, ist nach Qualität vergleichbar mit vielen anderen Blechprodukten auf dem Markt. Der berühmte Kochtopf gehörte bisher nicht dazu, wie es aussieht in Zukunft schon. Wer sich mit vielen Wettbewerbern vergleichen lassen muss, kann keine übertriebenen Preise verlangen, das hat das geniale Management wohl übersehen. Man darf gespannt sein, wie lange es die Marke in dieser Form noch gibt.
estark 11.07.2019
4. Gute Qualität oder billige Massenware ?
Bei WMF gibt es seit langem die alte gute Qualität und billige Massenware. Unser WMF Dampfkochtopf musste jüngst nach über 30 Jahren ersetzt werden. Ich hoffe der neue Topf (Made in Germany) hat noch die alte Qualitä, obwohl zum Spottpreis gekauft. WMF hat durch Billigserien sein Image ruiniert und musste auch hochwertige Ware verscheuern. Lieber Kultmarke weden oder sein, weniger ( verkaufen) ist oft mehr (Gewinn). Le Creuset zeigt, wie man es richtig macht.
Grummelchen321 11.07.2019
5.
Zitat von estarkBei WMF gibt es seit langem die alte gute Qualität und billige Massenware. Unser WMF Dampfkochtopf musste jüngst nach über 30 Jahren ersetzt werden. Ich hoffe der neue Topf (Made in Germany) hat noch die alte Qualitä, obwohl zum Spottpreis gekauft. WMF hat durch Billigserien sein Image ruiniert und musste auch hochwertige Ware verscheuern. Lieber Kultmarke weden oder sein, weniger ( verkaufen) ist oft mehr (Gewinn). Le Creuset zeigt, wie man es richtig macht.
Wohl eher nicht.Das mit made in Germany hat Wiso mal genauer untersucht.Alles erstunken und erlogen.Man hat die töpfe aus der Aktion von Rewe,aus dem Kaufhaus und dem VFachgeschäft verglichen.Es kamen bei den günstigen Töpfen thermoböden mit schlechterem Material zum Einsatz.Auch waren die Sandwichböden schlechter verarbeitet. https://www.test.de/Kochtoepfe-im-Test-5115609-0/
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