Besteckhersteller WMF für fast 1,6 Milliarden nach Frankreich verkauft

Der Küchengerätehersteller WMF wird vom französischen SEB-Konzern übernommen. Der bisheriger WMF-Eigentümer KKR erhält fast 1,6 Milliarden Euro - und hat damit seinen Kapitaleinsatz mehr als verdreifacht.

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Der schwäbische Besteck- und Kaffeemaschinenhersteller WMF wird französisch. Die für Küchengeräte-Marken wie Moulinex und Krups bekannte Groupe SEB aus Lyon lässt sich die Übernahme fast 1,6 Milliarden Euro kosten. Die Wettbewerbsbehörden müssen dem Deal noch zustimmen. SEB rechnet mit einer Zustimmung im zweiten Halbjahr 2016.

Die Franzosen haben es vor allem auf das Geschäft von WMF mit Kaffeeautomaten für Restaurants und Bäckereien abgesehen, in dem das Unternehmen aus Geislingen an der Steige unangefochtener Weltmarktführer ist. Auch chinesische Bieter und die schwedische Electrolux hatten Insidern zufolge um WMF gebuhlt.

Der US-Finanzinvestor KKR hatte die Firma vier Jahren nach dem Einstieg wieder zum Verkauf gestellt. Für ihn entwickelte sich WMF zum lukrativen Geschäft. WMF hat den Umsatz im vergangenen Jahr um 4,3 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro gesteigert, der operative Gewinn (Ebitda) lag bereinigt um Sondereffekte bei 118 Millionen Euro. 2016 soll er auf 140 Millionen Euro steigen. Das Kaffee-Geschäft trägt 37 Prozent zum Umsatz bei, steht aber für den Großteil des Gewinns. Das 1853 gegründete Traditionsunternehmen beschäftigt rund 5700 Mitarbeiter.

KKR habe seinen Kapitaleinsatz mehr als verdreifacht, hieß es in Finanzkreisen. Als KKR 2012 bei WMF einstieg, wurde das Unternehmen mit 600 Millionen Euro bewertet. An die Kleinaktionäre und den schweizerischen Großaktionär CapVis zahlte KKR zusammen 470 Millionen Euro.

Franzosen rechnen mit einem Schub für ihren Gewinn

SEB, 1925 als Societe d'Emboutissage de Bourgogne gegründet, kommt mit dem Zukauf von WMF auf 5,8 Milliarden Euro Umsatz und ein Ebitda von 651 Millionen Euro. Weil die Schwaben eine höhere Umsatzrendite erwirtschaften, rechnen die Franzosen mit einem Schub für ihren Gewinn je Aktie. Von 2020 an sei mit Einspar- und Umsatzeffekten von 40 Millionen Euro zu rechnen. Finanziert wird die Übernahme auf Kredit. SEB zahlt 1,02 Milliarden Euro und übernimmt 565 Millionen Euro Schulden von WMF.

Anders als zahlreiche andere Bieter interessiert sich SEB auch für das traditionelle Geschäft von WMF mit Töpfen, Pfannen, Besteck und Kleingeräten (Schaerer, Silit) sowie für die rund 200 eigenen WMF-Läden. SEB habe "hohen Respekt für dieses großartige Unternehmen", mit dem es Kultur und Werte teile, sagte Konzern-Chef Thierry de La Tour d'Artaise. Erst vor einer Woche hatte SEB den westfälischen Isolierkannen-Hersteller Emsa übernommen.

msc/Reuters/AFP/dpa

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insgesamt 23 Beiträge
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vox veritas 23.05.2016
1. Ausverkauf des Tafelsilbers
Wenn das so weiter geht, fragt man sich, was an deutschen Markenprodukten noch übrig bleibt. Ausverkauf der deutschen Industrie vor dem Untergang?
danielc. 23.05.2016
2.
Das Roulette geht weiter, Beyer -> Monsanto, SEB -> WMF, ... je größer, desto schlechter für das Gemeinwohl! Mal Abwarten, ob die Erwartungen erfüllt werden.
titzck 24.05.2016
3. Viel Glück
Mit WMF habe ich keine guten Erfahrungen. Die Pfannen waren für uns nicht gut. Also viel Glück. C'est la vie. A bonne chance. Adieu WMF.
etude 24.05.2016
4. Weiter geht's...
...mit dem Ausverkauf traditioneller Marken, die einmal Basis des Qualitätsbegriffs 'Made in Germany' waren. Wenn Gier kein Ende nimmt, bleiben Arbeitsplätze auf der Strecke.
Susi Sorglos 24.05.2016
5. Na dann....
wird endlich mal offenbar, was die WMF verjubelt hat: Umsatz statt Qualität war wichtiger. Chinesische Töpfe (vermutlich aus bei uns geklauten Schienen?) werden beim Supermarkt verramscht, viertklassige Elektrofirmen übernehmen, dass man auch eine Haushaltskaffeemschine anbieten kann. Auf in den Weg, mindere Qualität zu Fantasiepreisen zu verramschen findet nun einen professionellen Ansatz Schade .
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