Umfrage des Ifo-Instituts Stornierungswelle trifft den Wohnungsbau

Material und Energie kosten immer mehr – und auch die Kreditzinsen steigen stark: Oft rechnet sich der Bau neuer Wohnungen nicht mehr. Die Branche verzeichnet deutlich mehr stornierte Projekte.
Neubaugebiet Kronsrode in Hannover: Immer häufiger werden Projekte nicht mehr realisiert

Neubaugebiet Kronsrode in Hannover: Immer häufiger werden Projekte nicht mehr realisiert

Foto: Melissa Erichsen / dpa

Im deutschen Wohnungsbau gibt es immer mehr Stornierungen von Projekten. Im September waren 16,7 Prozent der befragten Unternehmen in der Baubranche davon betroffen, teilte das Münchner Ifo-Institut  auf Grundlage seiner regelmäßigen Umfrage mit. Im August hatte der Anteil noch bei 11,6 Prozent gelegen.

Ifo-Experte Felix Leiss wies darauf hin, dass aufgrund der extrem stark steigenden Material- und Energiepreise sowie der höheren Finanzierungszinsen die Planungssicherheit oft nicht mehr gegeben sei. »Die Baukosten steigen immer weiter«, sagte der Ifo-Forscher. »Für einige Bauherren ist das alles nicht mehr darstellbar, sie stellen Projekte zurück oder ziehen ganz die Reißleine.«

Das macht sich auch in den Geschäftserwartungen in der Baubranche deutlich bemerkbar. Der entsprechende Index des Instituts fiel in der Branche auf minus 53,2 Punkte, ein außergewöhnlich schwacher Wert. »Die Erwartungen notieren auf dem tiefsten Stand seit Beginn der Erhebung 1991«, sagte Leiss. »Die Unternehmen verfügen im Schnitt immer noch über große Auftragsreserven, aber die Zukunftssorgen waren selten so groß.«

Material ist nicht nur teuer, sondern auch weiterhin häufig knapp. 32,7 Prozent der Unternehmen meldeten im September Engpässe, nur etwas weniger als im August, als der Anteil noch bei 36,4 Prozent gelegen hatte. »Die Materialengpässe entspannen sich nur langsam, und die hohen Energiepreise verteuern das knappe Material zusätzlich«, so Leiss. Die Baufirmen müssten diese höheren Beschaffungskosten an die Kunden weitergeben.

Die Situation dürfte sich noch weiter verschärfen. »Für die kommenden Monate sind auf breiter Front weitere Preiserhöhungen geplant«, sagte Leiss. Der entsprechende Index des Instituts für die erwarteten Preise in der Branche erhöhten sich von 48,4 im August auf nun 49,5 Punkte.

fdi
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