Trotz Wohnungsnot Behörden erteilen weniger Baugenehmigungen

Die Ampelkoalition will eigentlich Tempo machen beim Bauen und Hunderttausende neue Wohnungen errichten lassen. Die Zahl der dafür ausgestellten Genehmigungen ist im Februar allerdings gesunken.
Baustelle in Leipzig: Von 400.000 neuen Wohnungen pro Jahr noch weit entfernt

Baustelle in Leipzig: Von 400.000 neuen Wohnungen pro Jahr noch weit entfernt

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Jan Woitas / dpa

Serielles Bauen, schnellere Genehmigungen, Nachverdichtung: An Ideen, wie die Bundesregierung aus SPD, Grünen und FDP die angespannte Lage auf dem Immobilienmarkt bekämpfen will, mangelt es nicht. Allerdings scheinen diese bislang nur wenig zu fruchten: Die Behörden haben im Februar deutlich weniger Baugenehmigungen ausgestellt, wie nun das Statistische Bundesamt mitteilte .

Bewilligt wurde demnach der Neu- oder Umbau von 28.060 Wohnungen. Das waren 6,6 Prozent oder 1998 weniger als im Februar 2021. In den ersten beiden Monaten des laufenden Jahres blieb die Zahl der Baugenehmigungen mit insgesamt 57.713 nahezu unverändert gegenüber dem Vorjahreszeitraum (57.712 Baugenehmigungen).

Auch genehmigte Vorhaben werden häufig nicht gebaut

In neu zu errichtenden Wohngebäuden wurden in den ersten beiden Monaten 2022 insgesamt 50.376 Wohnungen genehmigt. In dem Zweimonatszeitraum waren dies – dank eines Zuwachses im Januar – immerhin 0,3 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Dabei sank jedoch die Zahl der Bewilligungen bei Einfamilienhäusern um 16,3 Prozent auf 13.047 Einheiten. Bei Zweifamilienhäusern stieg die Zahl genehmigter Wohnungen dagegen um 13,0 Prozent auf 5480 und bei Mehrfamilienhäusern um 8,7 Prozent auf 30.829.

Zuletzt hatte es noch deutlich besser ausgesehen: 2021 genehmigten die Behörden so viele neue Bauprojekte wie seit 1999 nicht mehr. Hieran wollten die Ampelpartner eigentlich anknüpfen – und gemeinsam für den Bau von 400.000 Wohnungen im Jahr sorgen, davon 100.000 öffentlich geförderte Sozialwohnungen. Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD) entwickelt dafür unter anderem Pläne für neue Häuser im Modulsystem .

Die Zahl der Baugenehmigungen ist mit Blick auf die Wohnungsnot in vielen Städten ein wichtiger Indikator. Sie sagt jedoch nichts darüber aus, wie viele Einheiten tatsächlich fertiggestellt wurden. Häufig werden auch bereits genehmigte Wohnungen zunächst nicht gebaut, weil Handwerker und Baufirmen wegen großer Nachfrage keine Kapazitäten haben. Experten warnen immer wieder vor dem Anwachsen des Überhangs von genehmigten, aber aus verschiedenen Gründen nicht fertiggestellten Wohnungen.

apr/dpa
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