Trinity-Modell Volkswagen-Chef will neues Werk für E-Auto offenbar nicht mehr bauen

Für die Fertigung des E-Autos Trinity soll in Wolfsburg eigens ein neues Werk entstehen. Jetzt berichtet das manager magazin, dass Konzernchef Blume die Pläne kassieren will.
Werksgelände von VW in Wolfsburg: Kommt das Werk im Stadtteil Warmenau?

Werksgelände von VW in Wolfsburg: Kommt das Werk im Stadtteil Warmenau?

Foto: Swen Pförtner / dpa

Der neue VW-Konzernchef Oliver Blume sieht sich offenbar zu herben Einschnitten gezwungen. Wie das manager magazin berichtet, will der seit September amtierende Vorstandschef das geplante neue Werk für das Trinity getaufte Elektromodell nicht mehr bauen.

Zwar sei das Aus für das Werk im Wolfsburger Stadtteil Warmenau noch nicht formal beschlossen. Blume habe Vertrauten gegenüber aber klargemacht, dass dies sein Fahrplan sei, hieß es. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet unter Berufung auf einen Insider, das letzte Wort sei in der Sache noch nicht gesprochen, »aber es steht zur Diskussion, ob man diesen Neubau einkassiert«.

In einem internen Schreiben von Blume und VW-Markenchef Thomas Schäfer an die Beschäftigten baten die Manager laut manager magazin um Geduld: Die Überarbeitung von Plänen finde aktuell noch statt, für konkrete Aussagen sei es zu früh. Man wolle Entscheidungen aber gemeinsam im Vorstand und in enger Abstimmung mit der Arbeitnehmerseite treffen. Dafür gebe es einen klaren Zeitplan. Zuerst stünden Entscheidungen zum weiteren Softwarefahrplan und dem Zuschnitt der Plattformen an.

Schon für Diess wurde die Software zum Problem

Der Start des Trinity-Modells verschiebe sich von 2026 auf 2030, hieß es dem manager magazin zufolge. Für den Werksneubau neben dem Wolfsburger Stammwerk hatte VW gut zwei Milliarden Euro veranschlagt, Baubeginn sollte im Frühjahr 2023 sein.

Vor allem weitere Softwareprobleme gelten den Angaben zufolge als Ursache für die Verzögerung. Die von Blumes Vorgänger Herbert Diess als markenübergreifendes Autobetriebssystem vorgesehene sogenannte Softwaregeneration 2.0 dürfte erst 2029 an den Start gehen statt 2026, weil die bereits verspäteten Vorgängerversionen zusätzliche Arbeit erforderten. Damit rutschten die künftige Modellplattform SSP und das auf Software und Plattform basierende Trinity-Modell weit nach hinten, hieß es im Bericht.

Die Softwareprobleme im VW-Konzern gelten als ein Grund dafür, dass Diess im Sommer abtreten musste. Unter anderem verschiebt sich ihretwegen die Markteinführung des wichtigen Elektro-Macan der Sportwagentochter Porsche AG.

Blume hatte mit den jüngsten Quartalszahlen schnelle Entscheidungen in wichtigen Konzernfragen angekündigt – jüngst beendete er zusammen mit dem US-Konzern Ford das kostspielige Projekt rund um autonomes Fahren bei der Beteiligung Argo und ließ diese damit fallen. Volkswagen musste dafür 1,9 Milliarden Euro abschreiben.

apr/dpa-AFX/Reuters
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