Hongkong Chinesischer Milliardär offenbar verschleppt

Einer der reichsten Männer Chinas ist verschwunden. Der Fall ist politisch heikel: Xiao Jianhua soll Verbindungen zur Familie von Präsident Xi haben.

Multimilliardär Xiao Jianhua (im Dezember 2013)
DPA

Multimilliardär Xiao Jianhua (im Dezember 2013)


Der Multimilliardär Xiao Jianhua ist offenbar von der chinesischen Polizei aus Hongkong aufs Festland gebracht und dort festgesetzt worden. Das berichten chinesische Zeitungen sowie die "New York Times" und die "Financial Times" übereinstimmend unter Berufung auf Insider.

Der 45-jährige Inhaber des Mischkonzerns Tomorrow war am vergangenen Freitag aus dem Four-Seasons-Hotel in Hongkong verschwunden, in dem er seit Jahren wohnt. Sein Vermögen soll laut "Wurun"-Report rund sechs Milliarden Dollar betragen. Xiao soll zudem Verbindungen zur Familie von Chinas Staatspräsident Xi Jinping haben. Laut "New York Times" fungierte der Multimilliardär als Banker für die herrschende Klasse, indem er ihr bei Firmenübernahmen und -verkäufen behilflich war.

Der Fall ist noch aus weiteren Gründen brisant. So etwa, weil chinesische Staatsorgane in Hongkong gar nicht tätig werden dürfen. Die frühere britische Kolonie wird seit der Rückgabe 1997 nach dem Grundsatz "ein Land, zwei Systeme" eigenständig regiert, die Bewohner genießen deutlich mehr Bürgerrechte und Meinungsfreiheit als auf dem Festland.

Viele reiche Chinesen sind inzwischen nach Hongkong gezogen, auch um vor dem Zugriff der Sicherheitskräfte sicher zu sein. Zudem besitzt Jianhau die Staatsbürgerschaft Kanadas und zudem einen Diplomatenpass der Inselstaaten Antigua und Barbuda.

Milliardär Jianhua im Dezember 2013 in Hongkong
DPA

Milliardär Jianhua im Dezember 2013 in Hongkong

Die Umstände von Xiaos Verschwinden am vergangenen Freitag sind rätselhaft. Seine Familie meldete ihn am Samstag bei der Polizei von Hongkong als vermisst. Am Sonntag aber wollte sie die Anzeige wieder zurückziehen: Xiao habe sich gemeldet und wissen lassen, dass er in Sicherheit sei.

Am Dienstag erschienen zwei Postings von ihm auf dem WeChat-Account seiner Firma, in denen er beteuert, nicht aus Hongkong entführt worden zu sein. Stattdessen spanne er "im Ausland" aus und würde bald zurückkehren. Beide Postings wurden später von den Behörden gelöscht.

Kameras filmten die Festnahme

Sowohl die "New York Times" als auch die "Financial Times" zitieren Vertraute des Milliardärs, die dieser Darstellung widersprechen. Xiao habe die Nachrichten demnach auf Druck der chinesischen Behörden verfasst, um sein rätselhaftes Verschwinden zu verschleiern. Weshalb der Multimilliardär verschleppt worden sei, wissen seine Vertrauten demnach aber nicht.

Die Polizei von Hongkong teilte am Dienstag mit, Xiao sei am Freitag über einen Grenzübergang ins Festland eingereist. Fragen, ob sie an der Festnahme des Multimilliardärs beteiligt war, ließ die Polizei unbeantwortet. Sie untersuche den Fall aber weiter und habe die Behörden auf dem Festland um Unterstützung gebeten.

Four Seasons in Hongkong
AFP

Four Seasons in Hongkong

Laut "Financial Times" hat das Four Seasons Hotel der Hongkonger Polizei Überwachungsaufnahmen übergeben, die zeigen sollen, wie Xiao von chinesischen Sicherheitskräften in Zivil aus dem Hotel geführt wurde. Er habe keinen Widerstand geleistet.

In der Vergangenheit waren bereits mehrfach chinesische Milliardäre vorübergehend verschwunden, etwa der Inhaber der Investmentfirma Fosun im Dezember 2015. Er tauchte wenig später wieder auf, offenbar nachdem er im Rahmen von Korruptionsermittlungen verhört worden war.

fdi



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