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13. Mai 2012, 20:06 Uhr

Bachelor-Affäre

Yahoo-Chef Thompson muss gehen

Ein falscher akademischer Titel in seinem Lebenslauf kostet Yahoo-Chef Scott Thompson den Job. Nach Angaben des Konzerns wird er seinen Posten abgeben. Wegen der Affäre stand der Manager bereits seit Tagen in der Kritik.

New York - Der wegen eines geschönten Lebenslaufs in die Kritik geratene Yahoo-Chef Scott Thompson stellt seinen Posten zur Verfügung. Wie der Konzern am Sonntag auf seiner Website bekannt gab, verlässt er das Unternehmen. Sein Nachfolger werde den Angaben zufolge bis auf weiteres der bisherige Leiter des globalen Mediengeschäfts, Ross Levinsohn.

Zuvor hatte bereits das Blog "All Things Digital" unter Berufung auf mehrere anonyme Quellen berichtet, dass der Vorstand noch am Sonntag zusammenkommen solle, um den Rücktritt anzunehmen. Wenig später folgte die Bestätigung von Seiten des Unternehmens. Die "All Things Digital"-Autorin Kara Swisher hat Agenturberichten zufolge gute Verbindungen zu Yahoo. Auch in der Vergangenheit war sie mit ihren Informationen äußerst treffsicher.

Thompson steht seit Tagen unter Dauerfeuer eines Großaktionärs, weil in seinem offiziellen Lebenslauf ein Bachelor-Abschluss in Computerwissenschaften aufgeführt war, den er gar nicht besitzt. Der Manager hatte sich nach Bekanntwerden der Falschangabe bei seinen Mitarbeitern entschuldigt. "Ich übernehme dafür die volle Verantwortung", teilte er in der vergangenen Woche in einem Schreiben an seine Belegschaft mit.

Yahoo hatte jüngst bestätigt, dass Thompson - anders als bei der US-Börsenaufsicht SEC angegeben - keinen Bachelor-Abschluss in Computerwissenschaften habe. Das Unternehmen leitete eine Untersuchung ein, wie es zu der Fehlinformation kommen konnte, und versprach, die Aktionäre über die Ergebnisse zu unterrichten.

Nicht nur Yahoo verbreitete die falschen Informationen über Thompsons akademische Titel. Auch in Dokumenten seines früheren Arbeitgebers PayPal wurden sie genannt. Aufgedeckt hatte den Fehler der Manager des Hedgefonds Third Point, Daniel Loeb. Third Point hält 5,8 Prozent der Anteile an Yahoo. Loeb stritt mit Thompson um die Besetzung mehrerer Sitze im Verwaltungsrat, in den er selbst gerne einziehen möchte. Nach Angaben von Yahoo handelt es sich um einen unbeabsichtigten Fehler.

Thompsons Rückzug ist schon der zweite unrühmliche Abgang eines Yahoo-Chefs binnen weniger Monate. Er war erst zu Jahresbeginn angetreten. Seine Vorgängerin Carol Bartz war gefeuert worden, weil sie es nicht geschafft hatte, den Umsatzschwund zu stoppen.

Yahoo steht in scharfer Konkurrenz zu Google und Facebook im Geschäft mit Web-Werbung. Thompson konnte in dem schwierigen Markt erste Erfolge vorweisen. Umso stärker dürfte eine Hängepartie bei der Suche nach einem dauerhaften neuen Chef das Unternehmen nun treffen.

suc/dpa/dapd

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