Yen-Höhenflug Japan verkauft eigene Währung

Tokio zieht die Reißleine: Weil der starke Yen die Erholung der geschwächten Wirtschaft gefährdet, verkauft Japan große Summen der eigenen Währung. Wegen der Schuldenkrisen in Europa und den USA waren Anleger massenhaft in den Yen geflüchtet.

Beim Erdbeben zerstörte Neuwagen: Japans Wirtschaft ist stark von Exporten abhängig
REUTERS

Beim Erdbeben zerstörte Neuwagen: Japans Wirtschaft ist stark von Exporten abhängig


Tokio - Um den Höhenflug der heimischen Währung zu bremsen, hat die japanische Regierung mit Dollar-Käufen und Yen-Verkäufen reagiert. Die Schweiz hatte aus dem gleichen Grund bereits am Mittwoch am Devisenmarkt eingegriffen. An den Finanzmärkten sorgte der Schritt für eine leichte Entspannung. Der Yen gab etwas nach, die japanischen Aktien erholten sich ein wenig von den zuletzt deutlichen Verlusten. Wegen der Schuldenkrisen in Europa und den Vereinigten Staaten hatte es in den vergangenen Tagen eine Flucht aus dem Euro und dem Dollar in japanische Yen und Schweizer Franken gegeben. Die Wettbewerbsfähigkeit der beiden Länder wird damit massiv geschwächt.

Die japanische Regierung habe alleine gehandelt, stehe aber in Kontakt mit anderen Regierungen, sagte der japanische Finanzminister Yoshihiko Noda. Zuletzt fiel der Dollar wegen der Probleme der US-Wirtschaft unter die Marke von 77 Yen und sank damit auf das Niveau vom März, als der Dollar im Vergleich zum Yen auf ein Rekordtief gefallen war. Mitte 2007 mussten für einen Dollar noch mehr als 120 Yen gezahlt werden.

Dies ist ein Problem für die stark von Exporten abhängige japanische Wirtschaft, da sie für ihre Produkte im Ausland weniger erlöst oder die Preise erhöhen muss. So sieht zum Beispiel Toyota Chart zeigen einen Dollarkurs unter der Marke von 80 Yen als Wachstumsbremse an. Die japanische Notenbank geht bei ihren aktuellen Konjunkturprognosen von einem Kurs von rund 82,60 Yen pro Dollar aus. Am Donnerstagmorgen kletterte der Yen infolge des Eingriffs am Währungsmarkt erstmals seit dem 21. Juli über die Marke von 79 Yen.

Die Notenbank unterstützte die Aktion durch eine weitere Lockerung ihrer Geldpolitik. Die Währungshüter hatten das Ende ihres regulären Treffens um einen Tag vorverlegt. Das Programm zum Ankauf von Vermögenswerten werde auf 15 von zuvor 10 Billionen Yen erhöht, teilte die Bank of Japan mit. Die Entscheidung sei einstimmig gefallen. Das Programm war 2010 aufgelegt worden, um einer Deflation entgegenzuwirken und zuletzt im März 2011 wegen der Naturkatastrophen ausgeweitet worden. Am Rentenmarkt sank die Rendite der zehn Jahre laufenden Staatsanleihen erstmals seit November unter ein Prozent. Den Leitzins beließ die Zentralbank im Korridor zwischen 0 und 0,1 Prozent.

kra/dpa/AP/AFP/dapd

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