Steigende Zinsen und Materialmangel Zahl der Baugenehmigungen in Deutschland gesunken

In Deutschland wurden zwischen Januar und Mai deutlich weniger Neubauten genehmigt. Besonders groß war das Minus bei Einfamilienhäusern. Gründe könnten die steigenden Zinsen und Materialengpässe sein.
Bau von Einfamilienhäusern: Klage über Materialmangel

Bau von Einfamilienhäusern: Klage über Materialmangel

Foto: Julian Stratenschulte / dpa

Handwerker und Baufirmen haben kaum freie Kapazitäten, Material ist knapp und teuer, und wer ein Eigenheim finanzieren will, muss deutlich höhere Zinsen zahlen. Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen sinkt in Deutschland die Zahl der Baugenehmigungen.

Die Behörden gaben im Mai grünes Licht zum Bau von 31.688 Wohnungen, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Binnen Jahresfrist ist dies ein Rückgang um 2,1 Prozent.

Von Januar bis Mai wurden insgesamt 155.347 Baugenehmigungen erteilt und damit 1,6 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Klammert man verzerrende Saison- und Kalendereffekte aus, fiel die Zahl der Genehmigungen von April auf Mai sogar um 6,6 Prozent auf rund 29.800.

Deutlicher Rückgang bei Einfamilienhäusern

Ein deutliches Minus von 17,8 Prozent auf 34.809 gab es bei Einfamilienhäusern. Bei den Zweifamilienhäusern legte die Zahl genehmigter Wohnungen hingegen um 2,1 Prozent auf 14.076 zu. Bei Mehrfamilienhäusern wurde ein Anstieg um 9,1 Prozent auf 83.308 bewilligte Wohnungen verzeichnet.

In neu zu errichtenden Wohngebäuden wurden von Januar bis Mai 135.133 Wohnungen genehmigt – 1,5 Prozent weniger als vor einem Jahr.

Die Zahl der Baugenehmigungen ist mit Blick auf die Wohnungsnot in vielen Städten ein wichtiger Indikator. Die Ampelkoalition von SPD, Grünen und FDP will dafür sorgen, dass pro Jahr 400.000 Wohnungen gebaut werden.

Allerdings klagen die Baufirmen auch infolge des russischen Einmarsches in die Ukraine zunehmend über Materialmangel.

So gibt es Engpässe etwa bei Stahl, Dämmstoffen und Ziegelsteinen: »Diese Engpässe bilden sich nur langsam zurück. Dabei kommt es teils zu rasanten Preisanstiegen infolge der Knappheit«, sagte Ifo-Experte Felix Leiss jüngst zu einer Umfrage des Münchner Instituts. Auch die hohen Energiepreise wirkten preistreibend bei vielen Baustoffen. Derzeit werden ungewöhnlich viele Bauprojekte storniert, erklärte der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes.

Er sprach von einem Warnzeichen. Sollte dieser Trend anhalten, »werden wir schon bald eine tiefe Delle in der Baukonjunktur sehen«, warnte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Felix Pakleppa. Die Ampelkoalition müsse jetzt Vertrauen und Zuversicht schaffen. »Private Bauherren brauchen zuverlässige Förder- und Rahmenbedingungen für ihre Neubau- und Sanierungsprojekte.«

mmq/Reuters/dpa
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