Firmenpleiten Zahl der Insolvenzen steigt im August leicht

Die Energiepreiskrise und die hohe Inflation führen bislang noch nicht zu einer Pleitewelle. Die Zahl der Firmeninsolvenzen lag im ersten Halbjahr unter der von 2021 – zuletzt wurden aber wieder mehr Anträge registriert.
Räumungsverkauf eines Geschäfts in Hamburg

Räumungsverkauf eines Geschäfts in Hamburg

Foto: Hanno Bode / IMAGO

Im August ist die Zahl der Regelinsolvenzen in Deutschland um 6,6 Prozent im Vergleich zum Juli gestiegen. Das teilte das Statistische Bundesamt unter Berufung auf vorläufige Zahlen mit . Im gesamten ersten Halbjahr 2022 jedoch lag die Zahl der Insolvenzanträge für Unternehmen mit 7113 um vier Prozent unter dem Niveau des ersten Halbjahres 2021.

Die amtlichen Statistiker weisen auf den großen zeitlichen Verzug hin: Demnach fließen Verfahren erst nach der ersten Entscheidung des Insolvenzgerichts in die Statistik ein – und damit häufig erst einige Monate, nachdem der Antrag gestellt wurde. Zudem bilde die Statistik nicht alle Geschäftsaufgaben ab, da diese auch vor Eintreten der Zahlungsunfähigkeit erfolgen können, heißt es in der Mitteilung.

In den vergangenen Wochen mussten zwei prominente Unternehmen Insolvenz anmelden: Die Hamburger Schuhhandelskette Görtz beantragte ein Schutzschirmverfahren in Eigenverwaltung. Die steigenden Energiepreise und die hohe Inflation hätten zu enormer Kaufzurückhaltung geführt, teilte Görtz mit. Die Läden blieben allerdings geöffnet; ab Dezember wolle das Unternehmen die Löhne und Gehälter der 1800 Beschäftigten wieder aus eigenen Mitteln bezahlen, bis dahin seien sie durch die Bundesagentur für Arbeit abgesichert.

Der bekannte Toilettenpapier-Hersteller Hakle hat ebenfalls ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Grund seien die »massiv gestiegenen Kosten für Material- und Energiebeschaffung sowie der Transporte«, die bislang nicht in ausreichendem Maße an die Kunden weitergegeben werden konnten, teilte das Unternehmen mit. »Unser Problem ist ja nicht die mangelnde Nachfrage«, sagt Firmenchef und -mitinhaber Volker Jung im Interview mit dem SPIEGEL.

Die meisten Unternehmensinsolvenzen gab es der Statistik zufolge allerdings im Baugewerbe, auf das 1330 der insgesamt 7113 Verfahren entfielen. Es folgte der Handel mit 1058 Verfahren.

Noch stärker als bei den Firmenpleiten ist die Zahl der Privatinsolvenzen – offiziell Verbraucherinsolvenz genannt – gefallen. Sie ging im ersten Halbjahr 2022 um 20,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zurück.

Dieser starke Rückgang kann jedoch auch auf einem Sondereffekt beruhen, teilten die Statistiker mit. Seit Oktober 2020 gilt eine wesentlich kürzere Frist für die Restschuldbefreiung – sie sank damals von sechs auf drei Jahre. Daher hätten viele Privatpersonen ihren Insolvenzantrag zunächst zurückgehalten, um von dieser Neuregelung zu profitieren. Dieser Nachholeffekt scheine aber inzwischen beendet – und die Statistik weist dementsprechend einen starken Rückgang der Insolvenzen aus.

fdi
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