Fintech-Absturz Zahlungsanbieter Klarna verliert 85 Prozent seines Firmenwerts

Eigentlich gilt der schwedische Zahlungsanbieter Klarna als wertvollstes Fintech Europas. Im Zuge einer aktuellen Finanzierungsrunde wird nun aber deutlich: Das Start-up hat massiv an Wert eingebüßt.
Klarna-Schriftzug auf einem Handy

Klarna-Schriftzug auf einem Handy

Foto: Dado Ruvic / REUTERS

Das sinkende Interesse der Investoren an schnell wachsenden und Verluste schreibenden Fintech-Unternehmen bekommt auch der schwedische Bezahldienst Klarna zu spüren. Das Unternehmen teilte am Montag in Stockholm mit, es habe eine neue Finanzierung im Volumen von 800 Millionen Dollar gesichert, was einer Bewertung von 6,7 Milliarden Dollar entspreche. Damit hat das Unternehmen in einem Jahr allerdings rund 85 Prozent an Wert verloren. Noch vor einem Jahr hatte die Bewertung des Anbieters von Ratenzahlungen im Internet nämlich noch bei 46 Milliarden Dollar gelegen.

Klarna wurde 2005 gegründet. Der Umsatz des Unternehmens belief sich zuletzt auf etwa 11 Milliarden schwedische Kronen, umgerechnet 1,6 Milliarden Euro.

Entlassungswelle im Mai

Inmitten einer breit angelegten Verkaufswelle an den Börsen sind auch die Bewertungen von Fintech-Start-ups zum Teil massiv eingebrochen. So hat der BNPL-Rivale Affirm Holdings allein in diesem Jahr mehr als 80 Prozent an Börsenwert eingebüßt. Im Mai hatte Klarna angekündigt, jeden Zehnten seiner 7000 Beschäftigten zu entlassen. Begründet wurde der harte Einschnitt mit der Inflation. Auch die volatilen Aktienmärkte und die Aussicht auf eine wahrscheinliche Rezession hätten zu der Entscheidung beigetragen. Die Stellenstreichungen beträfen alle Teile des Unternehmens, hatte Klarna erklärt.

»Die Bewertung von Klarna ist ausschließlich darauf zurückzuführen, dass Investoren plötzlich anders votieren als in den letzten Jahren«, sagte Michael Moritz, Partner der Venture-Capital-Gesellschaft Sequoia. Sequoia, die Unternehmensgründer, Bestseller, Silver Lake und die Commonwealth Bank of Australia hatten an der jüngsten Finanzierungsrunde teilgenommen.

Ähnlich wie Klarna haben viele Start-ups gerade damit zu kämpfen, dass sich die Finanzierungsbedingungen für sie in der aktuellen Krise drastisch verschlechtern.

beb/Reuters
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