Online-Modehändler Zalando-Aktionäre attackieren Vorstand wegen möglicher Millionenbezüge

Die Konzerngründer könnten in knapp fünf Jahren jeweils bis zu 170 Millionen Euro einstreichen: Bei Zalando gibt es Streit über die Bezahlung der Vorstände.

Zalando-Vorstände David Schneider, Robert Gentz und Rubin Ritter im Februar
Bernd von Jutrczenka/DPA

Zalando-Vorstände David Schneider, Robert Gentz und Rubin Ritter im Februar


Je nachdem, wie sich der Aktienkurs entwickelt, können die Gründer Rubin Ritter, Robert Genz und David Schneider innerhalb von knapp fünf Jahren jeweils bis zu 170 Millionen Euro verdienen. An diesen möglichen Millionenbezügen für die Chefs des Online-Modehändlers Zalando gibt es nun heftige Kritik.

"Gute Arbeit soll auch gut bezahlt werden", sagte Michael Kunert, der Vertreter der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger, auf der Hauptversammlung. "Aber nach ein paar Jahren Hunderte Millionen auszahlen - diese ethische und moralische Diskussion möchte ich Zalando nicht zumuten."

Grundlage sind Aktienoptionen mit der Voraussetzung, dass der Umsatz des MDax-Unternehmens um 15 Prozent zulegt. Für das aktuelle Geschäftsjahr hat Zalando weiteres Wachstum angestrebt: Der Umsatz von knapp 5,4 Milliarden Euro 2018 soll um 20 bis 25 Prozent steigen. Die Vorstände dürften auch ein großes Interesse an solch starkem Wachstum haben: Bei weniger als zehn Prozent gibt es keinen Bonus, ihr Grundgehalt liegt nur bei 65.000 Euro pro Jahr.

Aufsichtsrat verteidigt Vorstandsvergütung

Nicolas Huber vom Vermögensverwalter DWS forderte deshalb Korrekturen. Die Aktienoptionen sollten nicht nur von Umsatzzielen abhängen, sondern etwa auch davon, wie profitabel und nachhaltig das Unternehmen wirtschafte. Er verwies darauf, dass der CO2-Fußabdruck des Onlinehändlers sehr kritisch gesehen werde.

Aufsichtsratschef Lothar Lanz verteidigte die Vergütungsregel. Sie passe zu einem Unternehmen, das Wert auf Wachstum und unternehmerische Verantwortung lege. Anders als Vorstände etwa von Dax-Konzernen hätten die Zalando-Chefs ihr Unternehmen gegründet und sich nicht erst in ein gemachtes Nest gesetzt. Lanz wies auch die Forderung zurück, eine Selbstbeteiligung der Aufsichtsräte bei ihrer Haftungsversicherung einzuführen.

Tatsächlich bemüht sich der Onlinehändler, umweltfreundlicher zu werden: Deo und Lippenstift kommen jetzt in Papier- statt in Plastiktaschen, in immer mehr Ländern gilt ein Mindestbestellwert. Und statt in herkömmlichen Pappkartons sollen die Kunden Schuhe und Kleidung eines Tages in Mehrwegverpackungen bekommen. "Wir denken, dass Nachhaltigkeit ein wichtiger Treiber unseres Geschäfts wird", sagte Vorstand Schneider.

apr/dpa



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