Kommentar zum Zalando-Börsengang Ein Herz für Copycats

Die Samwer-Brüder gelten als dreiste Kopisten, die anderen ihre Geschäftsmodelle klauen. Zu Unrecht - denn jeder hat das Recht, aus einer frei verfügbaren Idee mehr zu machen als der Urheber selbst.

Rocket-Internet-Manager Bruder, Samwer, Kimpel, Kudlich: Zocken macht Spaß
REUTERS

Rocket-Internet-Manager Bruder, Samwer, Kimpel, Kudlich: Zocken macht Spaß

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Eins vorweg: Es gibt gute Gründe, warum normale Anleger um die Unternehmen der Samwer-Brüder einen großen Bogen machen sollten. Und zwar sowohl um den Klamotten-Versand Zalando, der am heutigen Mittwoch an die Börse geht, als auch um die Start-up-Holding Rocket Internet, die am Donnerstag folgt.

Es geht schon damit los, dass für Anleger Einzelaktien in der Regel generell nicht empfehlenswert sind. Mit preiswerten Indexfonds können sie ihr Risiko deutlich besser streuen. Wer trotzdem auf einen Kursanstieg von Zalando und Rocket wetten will - nur zu, Zocken macht schließlich Spaß. Die Chancen, dass die Wette aufgeht, stehen gar nicht mal schlecht. Nur sollte man auf das dafür eingesetzte Geld zur Not auch verzichten können.

Denn insbesondere bei Rocket Internet ist die Geschäftslage undurchsichtig: Die Beteiligungsgesellschaften der Holding, wie etwa der Möbel- und Klimbim-Versender Westwing, machen größtenteils Verluste. Offen ist, ob sich daran je etwas ändern wird.

Und schließlich ist da der Ruf von Oliver Samwer als schlitzohrigem Geschäftsmann, der es in der Vergangenheit immer wieder geschafft hat, Verluste bei Geschäftspartnern landen zu lassen und Gewinne bei sich und seinen zwei Brüdern. Warum sollten die Samwers mit Kleinaktionären rücksichtsvoller umgehen?

Zwar nicht cool, dennoch wertvoll

In einer Hinsicht aber wird den Samwers oft Unrecht getan: Sie werden als Copycats geschmäht, die ohne eigene kreative Leistung Geschäftsmodelle klauen. Alando war ein Ebay-Klon - und wurde an Ebay verkauft. Zalando war ursprünglich die deutsche Version des US-Schuhversands Zappo. Und so weiter und so fort.

Ein Unternehmen erfolgreich zu kopieren, mag nicht so cool sein, wie den Suchalgorithmus zu kreieren, aus dem dann Google wird. Aber es ist volkswirtschaftlich nicht weniger wertvoll. Die Innovationsleistung der Samwers liegt nicht in ihren Geschäftsideen. Sondern in den eigens ersonnenen Prozessen, mit denen sie Start-ups am Fließband gründen, mit Kapital, Technologie und Personal ausstatten und dann groß machen. Volkswirtschaftlich ausgedrückt erbringen die Samwers keine Produkt-, sondern eine Verfahrensinnovation.

Auf solchen Verfahrensinnovationen ruht die halbe deutsche Wirtschaft. Unsere Autoindustrie ist auch deshalb so erfolgreich, weil sie vor der Jahrtausendwende die damals neuen Methoden ihrer japanischen Konkurrenten zur Fertigung und Qualitätssicherung aufgesogen und weiterentwickelt hat. Selbst DER SPIEGEL ist eine Kopie - Rudolf Augstein nahm sich 1947 US-Nachrichtenmagazine wie "Time" und "Newsweek" zum Vorbild.

Aus gutem Grund gibt es in der Marktwirtschaft nur für eng umgrenzte technische und kreative Innovationen einen Patentschutz oder ein Copyright. Alles andere ist sozusagen open source - damit jeder Unternehmer die Chance hat, mehr aus einer Idee zu machen als derjenige, der sie ursprünglich hatte. Die Samwers haben es in dieser Disziplin zur Perfektion gebracht. Kein Grund, auf sie herabzuschauen. Aber auch noch lange kein Grund, ihre Aktien zu kaufen.

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Am Mittwoch geht der Schuhversand Zalando an die Börse, am Donnerstag folgt die Holding Rocket Internet. Würden Sie bei den Internet-Unternehmern Samwer Ihr Geld investieren?

Zum Autor
Saima Altunkaya
Christian Rickens ist Leiter des Wirtschaftsressorts bei SPIEGEL ONLINE.

E-Mail: Christian_Rickens@spiegel.de

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insgesamt 35 Beiträge
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Seite 1
freeforever 01.10.2014
1. Markt kaufen
Das einzige was die Samwers machen ist sich mit viel Geld einen Markt zu kaufen, was wiederum nur aufgeht weil sie sich das Geld über Aktienausgaben zurückholen
reifenexperte 01.10.2014
2. Viel schlimmer ist doch,
dass sich der Erfolg dieser Brüder auf dem Betrug an Kindern durch Klingeltonabos beruht. Ich habe viele Opfer erlebt. Die Brüder sind nicht viel besser, als Kinderschänder. Das sollte niemand vergessen.
Herr Schäuble 01.10.2014
3.
Mir fehlt die Option gänzlich Investition in Aktien abzulehnen...
schlabbedibapp 01.10.2014
4. Tatsache ist, dass die sauberen Brüder
sich jahrelang an Kindern bereichert haben, denen sie ein Jamba-Klingelton-Abo angedreht haben. Ich habe selbst erlebt, dass Prepaid-Anbieter, wenn das Guthaben nicht ausreichte, so lange mit der Abo-Abbuchung warteten, bis wieder Guthaben aufgeladen wurde. Das war eine Kreditgewährung, um Betrügern die Abzocke zu ermöglichen! Soviel zur Werbeaussage: "Volle Kostenkontrolle". Und der Staat hat jahrelang untätig zugesehen...
Erich91 01.10.2014
5. Sicherlich richtig
so hat auch jeder das Recht Luftblasen an gierige Anlieger zu verkaufen. Solange sich genug finden, gibts doch keinen Grund sich aufzuregen.
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